Iversheim (Samian Ware Discovery Site)
Highlights
- In Iversheim wurde eine fast 2000 Jahre alte römische Kalkbrennerei entdeckt, die europäische Rarität darstellt.
- Die Anlage ist Teil des UNESCO-Welterbe Niedergermanischer Limes und wurde 1966 bis 1968 ausgegraben.
- Sechs Kalköfen in einer 30 Meter langen Halle nutzten Hanggelände für den industriellen Produktionsprozess.
Tipps
- Wanderungen ab Iversheim bieten verschiedene Routenlängen, auch mit Kinderwagen oder Fahrrad machbar.
- Die restaurierte römische Kalkbrennerei zeigt einzigartige Technik zur Kalkherstellung aus dem 3. Jahrhundert n. Chr.
- Einblick in antike Ofentechnik mit zentraler Schnauze, nur hier in Europa dokumentiert.
Eigenschaften
Über Iversheim (Samian Ware Discovery Site)
Die römische Kalkbrennerei in Iversheim, einem Ortsteil der Stadt Bad Münstereifel im Kreis Euskirchen, ist ein bemerkenswertes archäologisches Bodendenkmal und Teil des UNESCO-Welterbes „Niedergermanischer Limes“. Das Gelände beherbergt eine rund 2.000 Jahre alte Industrieanlage, die einzigartige Einblicke in die römische Massenproduktion von Kalk gewährt. Diese Anlage ist in ihrer Art und Größe eine seltene archäologische Fundstelle in Europa. Seit ihrer Entdeckung in den 1960er Jahren wird sie ehrenamtlich vom Dorf-Verschönerungsverein Iversheim gepflegt und für Besucher zugänglich gemacht.
Die Kalkbrennerei wurde bei Bauarbeiten für eine Wasserleitung entdeckt und in den folgenden Jahren von der Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege ausgegraben. Damals gelang es erstmals in Europa, eine vollständige römische Industrieanlage freizulegen, ihre Funktion zu analysieren und für die Öffentlichkeit zu erschließen. Die Anlage war Teil einer größeren Kalkindustrie, die im 3. Jahrhundert n. Chr. in Iversheim existierte. Es wird vermutet, dass sich in der näheren Umgebung bis zu zwölf solcher Brennereien befanden, die römische Baustellen in der Provinz mit wertvollem Baumaterial versorgten.
Die römische Technik zur Kalkherstellung nutzte das natürliche Geländegefälle des Hanges am Rand des Erfttales. In einer über 30 Meter langen Werkhalle waren sechs Kalkbrennöfen untergebracht, die jeweils 15 Kubikmeter Kalk fassen konnten. Die Öfen verfügten über eine zentrale „Schnauze“, die sowohl zur Befeuerung als auch zur Regelung des Luftzugs diente – eine bislang nur in Iversheim nachgewiesene Ofentechnik. Die Legionäre brachen hier Dolomitgestein ab, zerkleinerten es und brannten es bei etwa 1.000 Grad Celsius mit Holz zu Kalk. Der gebrannte Kalk wurde ungelöscht zu Baustellen transportiert.
Besonders bemerkenswert ist, dass in einem der Öfen noch die gesamte Kalkfüllung und das Brennmaterial erhalten waren, was es ermöglichte, den kompletten römischen Arbeitsprozess nachzuvollziehen. Ein Brennversuch bestätigte zudem die Funktionsfähigkeit der antiken Technik. Vor der Werkhalle befanden sich Aufenthaltsräume für die Arbeiter sowie eine Straße, die die Anlage an das römische Wegenetz anschloss. Zahlreiche Inschriften auf Weihesteinen belegen die militärische Besetzung der Anlage, hauptsächlich durch die 30. Legion.
Heute ist die Kalkbrennerei ein sehenswertes Kulturdenkmal, das sowohl für Geschichtsinteressierte als auch für Römer-Fans ein faszinierendes Zeugnis der Antike bietet. Die Öffnungszeiten richten sich saisonal nach dem Betrieb des ehrenamtlichen Teams, wobei Gruppen auch außerhalb der regulären Zeiten nach vorheriger Anmeldung geführt werden können. Der Erhalt des Geländes erfolgt vor allem durch Spenden und den Eintritt von Besucherinnen und Besuchern. Die Anlage vermittelt anschaulich, wie die Römer Kalk für ihre monumentalen Bauwerke produzierten – ein authentischer Einblick in die industrielle Frühgeschichte Europas.