Denkmal/Gedenkstätte

Statuen ''türelüre-lissje''

Klappergasse 1, 52062 Aachen

Highlights

  • Türelüre-Lißje ist eine legendäre Figur aus einem Aachener Kinderlied, das auf eine Zeit französischer Besatzung zurückgeht.
  • Seit 1967 erinnert ein Brunnen des Bildhauers Hubert Löneke in der Klappergasse an das Mädchen mit dem Spitznamen Türelüre.
  • Der Brunnen wurde wegen seiner Darstellung sexueller Erniedrigung Anfang 2026 kontrovers diskutiert.

Tipps

  • Der Brunnen Türelüre-Lißje in der Klappergasse zeigt eine umstrittene Szene aus einem Aachener Kinderlied und kann als Denkmal für regionale Tradition verstanden werden.
  • Die Darstellung wirkt auf manche Besucher ambivalent, da sie ein Mädchen beim Versuch zeigt, der Mobbing-Situation durch Jungen zu entgehen.
  • Ein Besuch lohnt sich für Interessierte der Aachener Kulturgeschichte, die sich mit kritischen Deutungen auseinandersetzen möchten.

Eigenschaften

Bildung Kulturell Ganzjährig

Über Statuen ''türelüre-lissje''

Die Statuen „Türelüre-Lißje“ befinden sich in Aachen und zählen zu den kulturellen Denkmälern der Stadt. Sie sind Teil eines Brunnendenkmals, das 1967 in der Klappergasse enthüllt wurde. Das Motiv basiert auf einem regionalen Kinderlied, das in der örtlichen Mundart, dem Öcher Platt, überliefert ist. Die Figur des „Türelüre-Lißje“ verkörpert laut der Überlieferung ein Mädchen aus Aachen, das von drei Jungen daran gehindert wird, die Toilette aufzusuchen – eine Szene, die im Brunnen plastisch umgesetzt ist. Die Gestaltung stammt vom Aachener Bildhauer Hubert Löneke, der die Bronzeplastik mit Unterstützung von Johann Schnitzler aus Frechen fertigen ließ.

Der Brunnen besteht aus einer Granitschale, die aus einem acht Tonnen schweren Block aus Dinant gefertigt wurde. Sie ruht auf einem einstufigen Podest aus rotem Backstein. Im Zentrum der Anlage hockt die Figur des Mädchen, umringt von drei lausbubenartigen Gestalten. Die Darstellung folgt dem Inhalt des Volksliedes, das Ende des 19. Jahrhunderts mündlich überliefert und später in verschiedenen Versionen festgehalten wurde. Die Melodie des Liedes wird auf eine alte Volksweise zurückgeführt. Der Name „Türelüre“ leitet sich vermutlich aus der französischen Besatzungszeit des Rheinlands ab und bezieht sich auf die Redewendung „la même turelure“, was sinngemäß „immer dieselbe Leier“ bedeutet – eine Anspielung auf das Klappern der Brudermühle, die einst in der Klappergasse stand.

Das Brunnendenkmal genießt bei Besucherinnen und Besuchern ein ambivalentes Echo. Während einige die Tradition und den Bezug zur örtlichen Kultur schätzen, wird die Darstellung des Mobbings und der damit verbundenen Erniedrigung kritisch betrachtet. Insbesondere die Szene, in der das Mädchen daran gehindert wird, die Toilette zu benutzen, wird von Teilen der Öffentlichkeit als problematisch wahrgenommen. Im Jahr 2026 entbrannte ein öffentlicher Streit um den Erhalt des Brunnens. Während manche den Abriss forderten, plädierten andere, darunter der Oberbürgermeister, für eine zusätzliche Informationstafel, um den historischen Kontext zu verdeutlichen. Der Brunnen bleibt bislang an seinem Standort erhalten und ist weiterhin Teil des Aachener Stadtbildes.

Hubert Löneke, der Schöpfer der Skulptur, war ein in Nordrhein-Westfalen aktiver Bildhauer, der nach seiner Ausbildung an der Kunstakademie Düsseldorf in Aachen lebte und arbeitete. Seine Arbeiten zeichnen sich durch naturalistische Formensprache aus. Neben dem „Türelüre-Lißje“-Brunnen schuf er zahlreiche weitere Skulpturen in der Stadt, darunter Porträts und Figurengruppen. Seine Ehefrau, die Bildhauerin Krista Löneke-Kemmerling, unterstützte ihn bei mehreren Projekten. Das Werk des Brunnens spiegelt den künstlerischen Stil und die Auseinandersetzung mit regionalen Themen wider, die für Lönekes Schaffen charakteristisch sind.

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