Roskapellchen St. Marien
Eigenschaften
Über Roskapellchen St. Marien
Das Roskapellchen St. Marien ist ein kleines, barockes Sakralgebäude im Aachener Rosviertel und zählt heute zu den liebenswerten kulturellen Sehenswürdigkeiten der Stadt. Es wurde im 18. Jahrhundert als Marienkapelle errichtet und steht an der Rosstraße, umgeben von historischen Gebäuden und prägend für das Stadtbild des Viertels. Die sechseckige Backstein-Kapelle mit ihren blauen Steinverzierungen und der charakteristischen Dachlaterne ist nicht nur ein architektonisches Kleinod, sondern auch ein Ort tief verwurzelter Volksbräuche und Traditionen.
Ursprünglich befand sich an dieser Stelle ein Wallbrunnen mit einer Marienbildsäule, an dem Bauern aus der Gegend ihre Pferde tränkten und beteten. Eine Legende rankt sich um einen Knecht namens Johann, der regelmäßig am Bildstock betete und spielenden Kindern Süßigkeiten schenkte. Nach seinem Tod wurde mit seinem Vermächtnis eine jährliche Süßigkeitenverteilung für Kinder initiiert – der Ursprung des Brauchtums des „Streuengelchens“. Im Jahr 1705 wurde der Verein „Streuengelche van de Rues“ gegründet, der diesen Brauch bis heute pflegt.
Die heutige Kapelle entstand auf Initiative des damaligen Pfarrers von St. Jakob, da die Verehrung der Gottesmutter in der Gegend stark zunahm. Im Inneren thront auf dem Altar eine gekleidete und gekrönte Marienstatue, die besonders in schweren Zeiten von den Anwohnern um Hilfe angerufen wurde. So zog beispielsweise während der Choleraepidemie des 19. Jahrhunderts eine alljährliche Prozession zum Roskapellchen. Auch in der Fastenzeit und an Muttergottestagen fanden einst Prozessionen statt, die vom Kapellchen zum Aachener Dom führten.
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Roskapellchen stark beschädigt, doch die Marienstatue blieb unversehrt. Nach umfangreichen Restaurierungen erstrahlte es 1958 wieder in neuem Glanz. Jedes Jahr wird während der Roskirmes das „Streuengelchen“ – eine Puppe oder ein ausgewähltes Kind – über die Rosstraße gezogen, das Bonbons auf die wartenden Kinder herabstreut. Neben dieser symbolischen Puppe wird auch ein echtes „Streuengelchen“ unter den Mädchen des Viertels ausgewählt, das besondere Aufgaben bei kirchlichen und sozialen Anlässen übernimmt.
Das Roskapellchen steht heute mitten im pulsierenden Leben der Rosstraße, umgeben von restaurierten Altbauten und erinnert mit seiner besonderen Atmosphäre an die reiche Geschichte des Viertels. Die jährliche Roskirmes verwandelt die Gegend in ein buntes Treiben mit Verkaufsständen, Gottesdiensten und Festtagsstimmung – ein Brauch, der das Roskapellchen und seine Umgebung jedes Jahr aufs Neue zum kulturellen Mittelpunkt des Aachener Stadtteils macht.