Wespienhaus
Highlights
- Es wurde vom Aachener Barockbaumeister Johann Joseph Couven entworfen und später um einen Brunnen von Jakob Couven im Innenhof erweitert.
- Nach verschiedenen Nutzungswandlungen und Eigentümerwechseln wurde das Gebäude 1943 durch Bombenangriffe weitgehend zerstört.
Tipps
- Das Wespienhaus ist ein historisches Bürgerhaus aus dem Jahr 1735 und gilt als bedeutendes barockes Stadtpalais in Aachen.
- Heute sind vom Wespienhaus nur noch Teile der Fassade erhalten, die in die Außenwand der Turnhalle an der Kockerellstraße integriert wurden.
- Interessierte können die architektonischen Reste im Rahmen einer Stadtrundgang in Aachen besichtigen.
Eigenschaften
Über Wespienhaus
Das Wespienhaus zählt zu den bedeutenden kulturhistorischen Denkmälern der Stadt Aachen in Nordrhein-Westfalen. Ursprünglich als barockes Bürgerhaus im Jahr 1735 errichtet, galt es bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg als eines der repräsentativsten Stadtpalais der Region. Es entstand durch den Auftrag von Johann von Wespien, ehemaligem Bürgermeister und wohlhabendem Tuchfabrikanten, an den Aachener Baumeister Johann Joseph Couven. Das Gebäude stand an der Kleinmarschierstraße und zeichnete sich durch eine dreigeschossige Fassade mit fünf Achsen sowie einem übergiebelten Mittelrisalit aus.
Die Architektur des Hauses spiegelt den barocken Stil Couvens wider, der sowohl Außenbau als auch Innenräume harmonisch aufeinander abstimmen ließ. Auffallend ist die ungewöhnliche Raumhöhe im Erd- und ersten Stock, während der zweite Stock deutlich niedriger gehalten ist – eine typische Bauweise des Meisters. Besondere Aufmerksamkeit erhielt das Gebäude durch kunstvolle Details wie das Familienwappen im Giebelfenster sowie ein geschmiedetes Balkongitter mit dem Monogramm der Familie Wespien. Ein im Innenhof angebrachter Wandbrunnen, später fälschlicherweise seinem Vater, richtig Jakob Couven zugeschrieben, zeigt die hohe künstlerische Qualität der Ausstattung.
Das Wespienhaus diente nicht nur als Wohnsitz, sondern wurde im 19. Jahrhundert auch als Fabrikgenossenschaft unter der Leitung der Familie van Gülpen genutzt. Nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten wurde das Untergeschoss um 1901 in einen Laden umgewandelt. Die innere Ausstattung wurde 1902 versteigert, da die Erben keine Mittel für die Instandhaltung aufbringen konnten. Ein Erwerb durch die Stadt Aachen scheiterte an finanziellen Engpässen. Der Wandbrunnen fand später Platz im ersten Couven-Museum und wurde schließlich 1993 unterhalb der Kirche St. Johann in Burtscheid aufgestellt.
Die Zerstörung des Wespienhauses erfolgte während des Zweiten Weltkriegs. Nach einer umfassenden Rekonstruktion 1940 wurde das Gebäude bei einem Bombenangriff 1943 zunächst durch Funkenflug beschädigt und später durch Sprengbomben gänzlich zerstört. Lediglich Teile der Fassade blieben erhalten und wurden 1951 geborgen. In den Jahren 1972 bis 1973 integrierte Stadtkonservator Leo Hugot diese Reste in die Außenwand der Turnhalle des Kaiser-Karls-Gymnasiums. Eine Gedenktafel erinnert heute an das ehemalige Stadtpalais und seine kulturelle Bedeutung.