Dekoloniale - Memory Culture in the City
Highlights
- [Re]präsentationen beriet Museen seit 2007 zu kolonialen Sammlungsobjekten und gemeinsamen Ausstellungen wie *TROTZ ALLEM* (2022) oder *Solidarisiert euch!* (2023).
- Dekoloniale Projekte kartierten postkoloniale Initiativen deutschlandweit und verknüpften lokale Widerstandsgeschichten mit Berliner Bezirksmuseen.
- 2024 schloss die Ausstellung *Dekoloniale – was bleibt?* (Mitte-Nord) mit Führungen durch kolonialkritische Orte wie Wilhelmstraße 92.
Tipps
- Die Ausstellung *Dekoloniale – was bleibt?* verbindet lokale Berliner Geschichte mit globalen kolonialen Zusammenhängen und zeigt deren Auswirkungen bis in die Gegenwart.
- Ein zentraler Fokus liegt auf der kritischen Reflexion von Sammlungsobjekten und ihrer (Re-)Präsentation in musealen Kontexten, insbesondere aus postkolonialer Perspektive.
- Die multimediale Aufbereitung der *verwobenen Vergangenheiten* ermöglicht einen Einblick in dekoloniale Initiativen und Widerstandsgeschichten sowohl in Berlin als auch bundesweit.
Eigenschaften
Dekoloniale Erinnerungskultur: Berlin erkunden
Das Projekt *„Dekoloniale – Memory Culture in the City“* in Berlin setzt sich mit den unsichtbaren Spuren der Kolonialgeschichte in der Stadt auseinander und macht sie durch kreative Formate sichtbar. Im Mittelpunkt stehen Ausstellungen, die kolonialen Erbe, Widerstand und postkoloniale Erinnerungskulturen in Berlin analysieren. Besonders hervorgehoben werden dabei lokale Bezüge: Wie prägte der Kolonialismus das Leben in der Stadt – von Migration über Ausbeutung bis hin zu Solidaritätsbewegungen? Durch Kooperationen mit Berliner Bezirksmuseen wie dem FHXB in Friedrichshain-Kreuzberg oder dem Museum Charlottenburg-Wilmersdorf entstanden Ausstellungen wie *„Trotz allem“* oder *„Solidarisiert euch!“*, die individuelle und kollektive Geschichten von Betroffenen und Aktivist:innen einbeziehen.
Ein zentrales Element des Projekts ist die digitale Kartierung *„verwobener Vergangenheiten“*, die in Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Initiativen und der Stiftung Historische Museen Hamburg entstand. Die interaktive Karte dokumentiert nicht nur Berliner Orte mit kolonialem Bezug, sondern vernetzt sie auch mit post- und dekolonialen Initiativen bundesweit. Sie dient als Werkzeug, um kolonialen Raub, Restitutionsforderungen und die Umdeutung öffentlicher Räume zu thematisieren – etwa durch die Würdigung von Widerstand gegen Versklavung oder die Debatte um Straßennamen. So wird Berlin als Schauplatz kolonialer Machtstrukturen, aber auch als Ort des Widerstands und der Erinnerungskultur sichtbar gemacht.
Das Projekt verbindet wissenschaftliche Aufarbeitung mit partizipativen Formaten: Stadtführungen, Seminare und öffentliche Diskurse laden dazu ein, sich mit den Nachwirkungen des Kolonialismus auseinanderzusetzen. Besonders beachtenswert sind Kooperationen mit internationalen Expert:innen wie dem tansanischen Aktivisten Mnyaka Sururu Mboro, dessen Führungen durch Ausstellungen wie *„Dekoloniale – was bleibt?““* an der Wilhelmstraße 92 Einblicke in globale Perspektiven geben. Auch die *„Dekoloniale Akademie“* und Residenzprojekte wie *„AGITP[R]OP!“* zeigen, wie Kunst und Aktivismus kolonialen Wissensmonopole hinterfragen und alternative Narrative entwickeln.
Durch die Zusammenarbeit mit Archiven, Museen und Initiativen wie *Each One Teach One* (EOTO) oder dem *Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung* wird das Projekt zu einem lebendigen Netzwerk. Es geht dabei nicht nur um die Aufarbeitung von Sammlungsobjekten aus kolonialen Kontexten, sondern auch um die Sichtbarmachung von Stimmen, die in traditionellen Geschichtserzählungen oft ausgeblendet werden. So wird Berlin als Stadt nicht nur als Ort der kolonialen Vergangenheit, sondern als Raum der kritischen Erinnerungskultur neu gelesen.
„*Dekoloniale – Memory Culture in the City*“ zeigt, wie Erinnerungskultur heute gestaltet werden kann: durch die Verbindung von lokalen Geschichten mit globalen Zusammenhängen, durch die Einbindung von Betroffenen und durch die Schaffung von Räumen, in denen kolonialer Raub und Widerstand gleichermaßen Platz finden. Das Projekt beweist, dass Berlin als Stadt der Vielfalt auch ein Ort der Auseinandersetzung mit seinen ungelösten historischen Verantwortungen ist – und dass diese Auseinandersetzung aktiv gestaltet werden kann.