Jungfer Gertrud
Eigenschaften
Kultur-Ausflug in Arnsberg: Jungfer Gertrud entdecken
In der Stadt Arnsberg im Hochsauerlandkreis, Nordrhein-Westfalen, steht heute ein markantes Bauwerk, das an eine faszinierende Geschichte aus der Zeit des Kölner Kurfürstentums erinnert: der sogenannte „Landsberger Hof“, früher als Wohnsitz der sogenannten „Jungfer Gertrud“ bekannt. Diese Bezeichnung geht auf Gertrud von Plettenberg zurück, eine adelige Frau des späten 16. Jahrhunderts, die durch ihre Beziehung zum mächtigen Erzbischof Ernst von Bayern in die Geschichte der Region einging. Heute beherbergt das Gebäude das Sauerland-Museum und zählt zu den bedeutenden Kultur- und Ausflugszielen in Arnsberg.
Gertrud von Plettenberg stammte aus dem niederen Adel und wurde als Tochter von Ulrich II. von Plettenberg zu Serkenrode geboren. Ihre Familie besaß zwar adeligen Rang, doch das Rittergut war wirtschaftlich wenig einträglich. Dennoch gelangte Gertrud in den Dienst der Kölner Kurfürsten, für die sie als Verwalterin mehrerer Schlösser im damaligen Herzogtum Westfalen tätig war, darunter in Arnsberg, Hirschberg und Höllinghofen. Ihre genaue Lebensgeschichte ist nur durch wenige Quellen überliefert – darunter die Tagebücher des damaligen Landdrosten Kaspar von Fürstenberg –, die sie erstmals 1598 als „jungfrauw Gertraut von Plettenbergh“ erwähnen.
Ihr Leben nahm eine entscheidende Wendung, als sie die Aufmerksamkeit des Kölner Erzbischofs Ernst von Bayern erregte. Dieser hielt sich fortan häufig in Arnsberg auf, wo er Gertrud inzwischen als seine Geliebte und später sogar als heimliche Ehefrau betrachtete. Obwohl Ernst von Bayern kirchlicher Würdenträger war, soll er ihr 1605 offiziell die Ehe gelobt haben. Als Zeichen seiner Zuneigung schenkte er ihr den Landsberger Hof in Arnsberg, der bis heute als Museum erhalten geblieben ist. In diesem Gebäude hängt auch ein Gemälde, das Gertrud mit ihrem kleinen Sohn zeigt – ein seltener Hinweis auf ihr Privatleben.
Aus dieser Beziehung gingen zwei Kinder hervor: ein Sohn, Wilhelm von Bayern, und eine Tochter, Katharina. Wilhelm wurde später Landdrost des Herzogtums Westfalen und später Fürstabt der Klöster Stablo und Malmedy. Katharina erbte nach dem Tod ihrer Mutter das elterliche Anwesen in Arnsberg. Gertrud starb am 26. Oktober 1608 in der Stadt, nur wenige Jahre vor ihrem Geliebten, der 1612 ebenfalls in Arnsberg verstarb. Um ihren Tod ranken sich Legenden – so soll sie möglicherweise durch Verwandte Erzbischof Ernsts ermordet worden sein, was allerdings nicht abschließend belegt ist.
Die Geschichte der „Jungfer Gertrud“ ist eng verknüpft mit der politischen und kirchlichen Landschaft des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit. Ihr Leben spiegelt die Verflechtungen von Macht, Adel und Privatleben wider, die für diese Zeit typisch waren. Heute lädt das ehemalige Wohnhaus, nun Sauerland-Museum, Besucher dazu ein, die faszinierende Geschichte von Gertrud von Plettenberg und ihrer Zeit hautnah zu erfahren – ein lohnender kultureller Ausflug inmitten der malerischen Region des Sauerlandes.