Denkmal/Gedenkstätte

Großsteingräber bei Ermsleben

Markt 18, 06463 Falkenstein/Harz-Ermsleben

Highlights

  • Die Großsteingräber bei Ermsleben waren zwei jungsteinzeitliche Megalithgräber und wurden nach 1890 zerstört.
  • Ihre genaue Beschaffenheit und Kulturzugehörigkeit sind unbekannt, da keine Funde dokumentiert wurden.
  • Ein drittes Steingrab und der Nagelstein von Ermsleben sind ebenfalls archäologisch bekannt.

Tipps

  • Beim Besuch der Großsteingräber bei Ermsleben lohnt ein Abstecher zum Nagelsteinbrunnen, einem historischen Zeugnis mittelalterlicher Rechtsauffassung.
  • Der Nagelstein im Ortsteil Sinsleben an der St. Andreas Kirche bietet weitere Einblicke in die lokale Geschichte.
  • Die archäologischen Hintergründe und die Lage der ehemaligen Großsteingräber lassen sich am besten vor Ort im Kontext der umliegenden Felder erschließen.

Eigenschaften

Bildung Kulturell Ganzjährig

Über Großsteingräber bei Ermsleben

Die Großsteingräber bei Ermsleben waren zwei jungsteinzeitliche megalithische Grabanlagen in Ermsleben, einem Ortsteil der Gemeinde Falkenstein/Harz im Landkreis Harz, Sachsen-Anhalt. Die Anlagen lagen in leichter Hanglage auf offenem Feld östlich des Ortes. Sie wurden nach Mitteilungen aus dem späten 19. Jahrhundert zerstört. Erste Hinweise auf ihre Existenz stammen von Dr. Mühlenberg, der sie noch persönlich gesehen hatte, bevor sie abgebaut wurden. Zu diesem Zeitpunkt dienten die Steine einem Kesselflicker als Unterkunft. Genauere archäologische Beschreibungen oder Funde aus den Grabanlagen sind nicht überliefert, weshalb eine Zuordnung zu einer spezifischen Kultur nicht möglich ist.

Die Kenntnis über die Großsteingräber wurde erst 1947 durch Fritz Klocke vom Heimatsmuseum Ballenstedt öffentlich bekannt. Er verzeichnete die Existenz der Anlagen auf Grundlage der Erinnerungen von Dr. Mühlenberg. Die genaue Lage wird im Messtischblatt 2383 von 1934 beschrieben, welches die Region östlich von Ermsleben abbildet. Die Zerstörung der Gräber in der Zeit um 1890 bedeutet den Verlust bedeutender archäologischer Zeugnisse der Jungsteinzeit in der Region.

Neben den Großsteingräbern sind aus Ermsleben weitere vorgeschichtliche Fundstellen bekannt. Dazu gehört ein weiteres zerstörtes Steingrab sowie ein Menhir, der sogenannte Nagelstein. Dieser Stein spielte im Mittelalter eine Rolle bei sogenannten Gottesurteilen: Wer einen Nagel in den Stein schlagen konnte, galt als unschuldig. Der Nagelstein befindet sich heute am Marktplatz von Ermsleben und zählt zu den bemerkenswerten Kulturdenkmälern des Ortes. Noch heute sind einzelne Nägel im Stein zu erkennen. Ein weiterer Nagelstein befindet sich im benachbarten Sinsleben an der St. Andreas Kirche.

Das Großsteingrab von Sinsleben wurde 1831 entdeckt und enthielt mehrere Keramikgefäße, darunter eine Tasse der Bernburger Kultur. Aufgrund der unklaren Beschreibung der Anlage ist jedoch nicht abschließend geklärt, ob es sich tatsächlich um ein echtes Großsteingrab oder um eine andere Form eines megalithischen Grabbaus handelte. Die Bernburger Kultur wird allgemein mit der mittleren Jungsteinzeit in Mitteldeutschland in Verbindung gebracht.

Die Großsteingräber bei Ermsleben sind heute nicht mehr sichtbar, doch ihre Erwähnung in historischen Quellen belegt die Bedeutung der Region für das Verständnis der jungsteinzeitlichen Besiedlung im Harzvorland. Der Erhalt und die Erinnerung an solche Grabanlagen tragen zur Rekonstruktion der damaligen Lebens- und Bestattungsformen bei. Die Kombination aus archäologischen Spuren und späteren Nutzungen wie beim Nagelstein verdeutlicht die Schichten der Geschichte in dieser Region.

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