Kirche/Kloster

Sandkirche (mariä Heimsuchung)

Betgasse 1 Corner Alexandrastrasse, 63739 Aschaffenburg

Highlights

  • Die Sandkirche in Aschaffenburg ist eine Wallfahrtskirche zur Ehren Mariä Heimsuchung und Teil des Fränkischen Marienwegs.
  • Sie entstand nach einer Sage um 1517 und wurde zum Gnadenort bei Pestepidemien im 17. Jahrhundert.
  • Heute gilt sie als barocke Votivkirche mit familiärer Atmosphäre und jährlichen Prozessionen.

Tipps

  • Die Sandkirche ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet und lädt zum Verweilen ein.
  • Barocke Deckenmalereien und üppige Altäre lohnen eine genaue Betrachtung.
  • Direkt nebenan befindet sich der Magnolienhain, besonders im Frühjahr sehenswert.

Eigenschaften

Entspannt Kulturell Ganzjährig

Über Sandkirche (mariä Heimsuchung)

Die Sandkirche (Mariä Heimsuchung) in Aschaffenburg ist eine der bedeutendsten sakralen Bauwerke der Stadt und zählt zu den bekanntesten Wallfahrtskirchen Bayerns. Umgangssprachlich auch „Ecclesia ad album Lilium“ genannt – „Kirche zur weißen Lilie“ – steht sie im Stadtteil Altstadt direkt am ehemaligen Sandtor. Ihre besondere Stellung unter den Kirchen Aschaffenburgs begründet sich darauf, dass sie weder Pfarr- noch Klosterkirche ist, sondern als Votivkirche zu Ehren der Schmerzensmutter errichtet wurde. Ihre Entstehungsgeschichte reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück und ist eng mit einer Sage über das Auffinden eines Gnadenbildes verbunden.

Laut Überlieferung fand ein Schäfer – in manchen Versionen auch ein fremder Kriegsmann – eine weiße Lilie an ungewöhnlicher Stelle. Beim Versuch, die Pflanze auszugraben, entdeckte er stattdessen ein Bild der Muttergottes. Nach mehreren erfolglosen Versuchen, das Bild an einen anderen Ort zu bringen, blieb es an seiner Fundstelle, wo es schließlich in einer Nische am Stadttor aufgestellt wurde. Bereits 1431 wird in einer Urkunde von einem „Heyligen Hues vor der Sant Porthen“ gesprochen. Im Jahr 1517 genehmigte Kardinal Albrecht von Brandenburg den Bau einer Kapelle „zur weißen Lilie“, die fortan als Wallfahrtsort immer größere Bedeutung erlangte.

Besonders im 17. Jahrhundert entwickelte sich die Sandkirche zu einem wichtigen Wallfahrtsziel: Nach einer verheerenden Pestepidemie im Jahr 1606 gelobten die Überlebenden eine jährliche Wallfahrt zur Sandkapelle. Diese Tradition wird bis heute gepflegt. Der Jesuitenorden, der ab 1612 in Aschaffenburg tätig war, unterstützte die Wallfahrten und förderte den Bau einer neuen, größeren Kapelle ab 1698/99. Der heutige Kirchenbau stammt aus dem 18. Jahrhundert und wurde nach Plänen von Reichsgraf Franz Wolfgang von Ostein errichtet. Er beeindruckt durch seine barocke Ausstattung mit drei üppig gestalteten Altären, Stuckdekorationen und Engelsfiguren.

Das Innere der Sandkirche besticht durch seine kunstvolle Gestaltung und die warme, einladende Atmosphäre. Der Hochaltar aus Stuckmarmor gilt als herausragendes Beispiel spätbarocker Rokoko-Kunst. Die Deckenfresken, ursprünglich von Johann Zick, wurden nach Kriegsbeschädigungen in den 1980er Jahren neu gemalt. Die Kirche ist täglich geöffnet und dient nicht nur als Wallfahrtsort, sondern auch als spiritueller Anker im Leben vieler Aschaffenburger Bürger. Regelmäßige Gottesdienste und geistliche Impulse im Rahmen der City-Pastoral machen sie zu einem lebendigen Ort des Glaubens.

Die Sandkirche ist nicht nur ein architektonisches und künstlerisches Juwel, sondern auch ein Zeugnis lebendiger Volksfrömmigkeit und historischer Kontinuität. Mit ihrer Verbindung von Sage, Geschichte und barocker Pracht zieht sie Besucher und Pilger aus der ganzen Region an. Ihre besondere Ausstrahlung und die liebevolle Pflege ihrer Tradition machen sie zu einem unverzichtbaren Bestandteil des kulturellen und religiösen Lebens in Aschaffenburg.

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