Denkmal/Gedenkstätte

Der Lambertiturm

Burgstraße 26, 26603 Aurich

Highlights

  • Der Lambertiturm ist der Glockenturm der Auricher Lamberti-Kirche und prägendes Stadtwahrzeichen mit 10 Meter hohem Mauerwerk und Satteldach.
  • Die älteste Glocke (D-Stimmung) stammt aus 1717 und wurde vom Glockengießer Mammeus Fremy gegossen – Teil eines historischen Beir-Läutens.
  • Ursprünglich mit Schallöffnungen versehen, zeugt der Turm von mittelalterlicher Architektur und dem Ende des handbetriebenen Glockenläutens im 19. Jh.

Tipps

  • Der Lambertiturm bietet Einblicke in die historische Bauweise des 14. Jahrhunderts mit erhaltenen Schallöffnungen im unteren Turmabschnitt.
  • Die älteste Glocke aus dem Jahr 1717 von Fremy wird im Turm aufbewahrt und ist Teil der regionalen Glockenkunst der Nordseeküste.
  • Der Turm dient als Aussichtspunkt mit Blick auf die Stadt Aurich und zeigt die Verbindung von Sakralbau und städtischem Wahrzeichen.

Eigenschaften

Bildung Kulturell Ganzjährig

Lambertiturm Aurich – Kulturdenkmal erkunden

Der Lambertiturm in Aurich zählt zu den markantesten historischen Bauwerken der Stadt und ist zugleich Wahrzeichen der ostfriesischen Metropole. Der freistehende Glockenturm der Lamberti-Kirche thront abseits des Hauptgebäudes und verrät mit seiner ursprünglichen Substanz noch heute Spuren vergangener Epochen. Der untere Teil des Turms zeigt ein Mauerwerk von etwa zehn Metern Höhe, das einst als Glockenhaus diente. Die einstigen Schallöffnungen sind zwar längst zugemauert, doch das flache Satteldach darauf erinnert an die klassische Bauweise frühneuzeitlicher Kirchtürme in der Region.

Besonderes Augenmerk verdient die älteste und größte Glocke des Turms, die auf den Ton D gestimmt ist. Sie stammt aus dem Jahr 1717 und wurde vom ostfriesischen Glockengießer Mammeus Fremy gegossen – ein Meisterhandwerk, das in Aurich bis heute Tradition hat. Doch nicht nur die Glocke selbst ist von historischem Wert, sondern auch die jahrhundertelange Praxis des „Beirens“, des manuellen Glockenläutens. Dieser Brauch war vorreformatorischer Zeit weit verbreitet und fand sich entlang der Nord- und Ostseeküste bis hin nach Skandinavien und sogar in den Raum um Danzig. Mit dem Ende des 18. Jahrhunderts erlosch diese Tradition, als das mechanische Läuten die handwerkliche Kunst ablöste.

Die Geschichte des Lambertiturms ist eng mit mystischen Legenden verbunden. So berichten Chroniken von einem seltsamen Fund im Jahr 1641: Im Eis des Stadtgrabens entdeckten Auricher Einwohner an mehreren Stellen rote Streifen, die wie Blut aussahen und nach Veilchen dufteten. Die Bedeutung dieses Phänomens blieb rätselhaft, doch es verweist auf die tiefe Verbindung von Naturwunder und Stadtmythos, die Aurich bis heute prägt. Der Turm selbst, mit seiner schlichten, aber eindrucksvollen Architektur, steht als stummer Zeuge dieser Geschichten – ein Ort, der Geschichte, Glauben und regionale Identität in sich vereint.

Als Teil des kulturellen Erbes Aurichs bietet der Lambertiturm nicht nur architektonische, sondern auch akustische und historische Erfahrungen. Die Glocke, die einst das Leben der Gemeinde begleitete, und die rätselhaften Funde am Stadtgraben machen den Turm zu einem faszinierenden Ausflugsziel für Geschichtsinteressierte und Neugierige. Wer durch Aurich wandert, wird den Turm unübersehbar am Horizont erkennen – ein Symbol für die Verbundenheit der Stadt mit ihrer Vergangenheit.

Der Lambertiturm steht damit für die einzigartige Mischung aus sakraler Baukunst, regionaler Handwerkstradition und den oft rätselhaften Schichten ostfriesischer Geschichte. Als historisches Wahrzeichen lädt er dazu ein, die Spuren vergangener Zeiten zu entdecken – fernab des Trubels, aber mitten im Herzen der Stadt.

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