Denkmal/Gedenkstätte

Wagengrab von Bell, Hügelgräberfelder „Fuchshohl“ und „Alter Markt“

56288 Bell

Highlights

  • Das Wagengrab von Bell stammt aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. und enthielt einen vierrädrigen Wagen sowie bronzezeitliche Beigaben.
  • Im Hügelgräberfeld „Fuchshohl“ wurden Körperrgräber mit Holzverkleidung und Brandbestattungen im Westen des Feldes gefunden.

Tipps

  • Im Gelände sind die Grabhügel heute nicht mehr sichtbar, da sie in den Nachkriegsjahren eingeebnet wurden, aber archäologische Funde belegen die einstige Bedeutung der Stätte.
  • Das Grab zeigt Einflüsse aus Süddeutschland und dem Marnegebiet sowie mediterrane Importe, was auf weite Handelsverbindungen entlang der Hunsrückhöhenstraße hinweist.

Eigenschaften

Bildung Kulturell Ganzjährig

Über Wagengrab von Bell, Hügelgräberfelder „Fuchshohl“ und „Alter Markt“

Das Wagengrab von Bell sowie die Hügelgräberfelder „Fuchshohl“ und „Alter Markt“ befinden sich im rheinland-pfälzischen Bell im Rhein-Hunsrück-Kreis. Diese archäologischen Fundstellen zählen zu den bedeutenden Hinterlassenschaften der Eisenzeit und bieten Einblicke in die Bestattungskultur einer einst florierenden Adelsschicht. Besonders hervorzuheben ist das sogenannte Wagengrab, das sich durch seinen Reichtum und die aufwendige Ausstattung von der übrigen Gräberlandschaft unterscheidet.

Das Grabhügelfeld östlich von Bell wurde erstmals in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg erforscht. Ursprünglich umfasste es insgesamt 29 Grabhügel, die heute im Gelände nicht mehr sichtbar sind, da sie in den Nachkriegsjahren eingeebnet wurden. In der Bestattungspraxis zeigt sich ein deutlicher Wandel: Während in älteren Grabungen Körpergräber mit Holzverkleidungen oder Baumsärgen vorherrschten, finden sich im westlichen Teil des Geländes Brandbestattungen mit erhaltenen Scheiterhaufenresten. Zu den Beigaben gehörten unter anderem Lanzenspitzen, eiserne Messer, Ringschmuck und Keramik.

Ein besonderes Grab hebt sich deutlich von den übrigen ab: Ein rund 22 Meter breiter Hügel, in dessen Zentrum eine hölzerne Grabkammer mit einer vierrädrigen Wagenkonstruktion entdeckt wurde. Der Wagen stand in eigens ausgehobenen Radgruben, der Tote ruhte unter dem Wagenkasten. Neben weiteren Beigaben wie einer Bronze-Gewandspange und einer aus Bronze gefertigten Situla – einem eimerförmigen Gefäß aus dem Tessin – deuten Funde von Bast- und Wollstoffen auf die Verwendung einer Unterlage sowie auf die Bekleidung des Verstorbenen hin. Die erhaltenen eisernen und bronzenen Teile des Wagens ermöglichen eine Rekonstruktion, die heute im Museum der Burg Kastellaun ausgestellt ist.

Die keltischen Wagengräber zeichnen sich durch ihre aufwendige Ausstattung und ihre religiöse sowie gesellschaftliche Symbolik aus. Derartige Bestattungen sind vor allem aus Süddeutschland bekannt und datieren in das frühe bis mittlere erste Jahrtausend vor Christus. Auffallende Parallelen bestehen zu Gräbern im sogenannten Marnegebiet. In Bell treffen somit süddeutsche Einflüsse auf regionale Traditionen der Hunsrück-Eifel-Kultur. Der Fund der Situla verdeutlicht zudem die weiträumigen Handelsbeziehungen, die damals über die Alpenpässe bis in den nördlichen Raum bestanden. Die nördliche Handelsroute führte über verschiedene Pässe aus dem Tessin kommend zum Rhein und weiter entlang der Hunsrückhöhenstraße.

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