Museum im Böhmischen Dorf
Highlights
- Das Museum im Böhmischen Dorf zeigt die Geschichte der 1737 vertriebenen evangelischen Böhmen in Berlin-Neukölln.
- Es präsentiert Alltagskultur, Glauben und handwerkliche Traditionen der Herrnhuter Brüdergemeine.
- Das Museum befindet sich im denkmalgeschützten Schulhaus von 1753 im ehemaligen Böhmischen Dorf.
Tipps
- Das Museum im Böhmischen Dorf ist nur donnerstags von 14 bis 17 Uhr sowie am 1. und 3. Sonntag im Monat von 12 bis 14 Uhr geöffnet.
- Der Eintritt beträgt 5 Euro und muss bar bezahlt werden, da keine Kartenzahlung möglich ist.
- Das Museum befindet sich in der ehemaligen Schul- und Bethausstattung von 1753 im historischen Zentrum des Böhmischen Dorfes.
Eigenschaften
Über Museum im Böhmischen Dorf
Das Museum im Böhmischen Dorf in Berlin-Neukölln dokumentiert die Geschichte der böhmisch-mährischen Exulanten, die im 18. Jahrhundert aufgrund ihres evangelischen Glaubens aus der Habsburgermonarchie vertrieben wurden. Es zeigt die Entstehung, Siedlungsstruktur und kulturelle Entwicklung des Böhmischen Dorfes sowie den Alltag seiner Bewohner von der Ansiedlung bis heute. Die Dauerausstellung umfasst unter anderem kirchliche Trachten, zweisprachige Gesangbücher und Bibeln, historische Herrnhuter Sterne sowie pädagogische Geräte aus der ehemaligen Brüdergemeinschule. Besondere Exponate stammen aus Missionsgebieten wie Südafrika und Surinam und verdeutlichen die globale Reichweite der Herrnhuter Brüdergemeine.
Das Museum befindet sich im ehemaligen Schul- und Betsaalgebäude der Böhmischen Gemeinde in der Kirchgasse, einem unter Denkmalschutz stehenden Bau aus dem Mittel des 18. Jahrhunderts. Nach einer Sanierung in den 1980er Jahren beherbergt eine ehemalige Wohnungsfläche im Erdgeschoss seit 2005 die Ausstellung. Das Gebäude selbst ist Zeugnis der baulichen und sozialen Strukturen, die die Exulantengemeinschaft über Jahrhunderte bewahrte. Die Trägerschaft des Museums liegt beim gemeinnützigen Verein „Museum im Böhmischen Dorf e.V.“, dessen ehrenamtliche Mitglieder auch die Sonderausstellungen betreuen.
Das Böhmische Dorf ist heute nicht nur ein städtebaulich erhaltenes Ensemble, sondern auch ein lebendiges Kulturdenkmal. Mehrere Familien, die direkt von den ursprünglichen Siedlern abstammen, bewohnen noch immer das Viertel und pflegen Traditionen wie das jährliche Singen des tschechischen Weihnachtsliedes „Čas radostí“. Diese Kontinuität hat bewirkt, dass das Böhmische Dorf nicht zu einer bloßen historischen Erinnerungsstätte verkommen ist, sondern als „Zeugnis lebendiger Geschichte“ weiterwirkt. Es fungiert heute auch als Ort der Begegnung und des kulturellen Austauschs, insbesondere im Kontext der deutsch-tschechischen Verständigung.
Die Ausstellungsfläche vermittelt anschaulich, wie Glaube, Bildung und Handwerk das Leben im Dorf prägten. Neben Alltagsgegenständen und historischen Dokumenten werden auch die pädagogischen Methoden der Herrnhuter sowie deren Einfluss auf die lokale Schulpraxis thematisiert. Die Bewohner des Böhmischen Dorfes bewahrten über Generationen hinweg ihre kulturellen Eigenarten, ohne sich von der Mehrheitsgesellschaft abzukapseln – ein Prozess, der bis heute nachwirkt. Das Museum trägt diesem Umstand Rechnung und zeigt, wie Integration und Identitätsbewahrung Hand in Hand gingen.