Balanceakt
Highlights
- Das 45 Meter hohe Atrium mit Terrassen und Serviceflächen verbindet moderne Architektur mit historischer Mauerstreifen-Gedenkform.
- 95 Stolpersteine erinnern vor dem Neubau an jüdische Bewohner des ehemaligen Zeitungsviertels, zerstört 1945.
- Fahrstühle mit ‚East‘/‚West‘-Bezeichnung spiegeln die geteilte Berliner Geschichte wider – wie das Gebäude selbst.
Tipps
- Die 95 Stolpersteine im Gehweg um den Neubau herum verweisen auf die jüdischen Bewohner des historischen Zeitungsviertels vor 1945 und dokumentieren deren Schicksale.
- Die Terrassen im Atrium des Gebäudes orientieren sich an der ehemaligen Mauerlinie und spiegeln durch schräge Kanten und Farbakzente die historische Tragik des Ortes wider.
Eigenschaften
Kulturdenkmal Balanceakt Axel-Springer-Straße 65
Der „Balanceakt“ an der Axel-Springer-Straße 65 ist eine monumentale Skulptur, die tief in der Geschichte des Ortes verwurzelt ist. Erinnert wird an die 1967 formulierten Grundsätze des Medienhauses, die bis heute als Leitbild gelten: eine kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen. Doch der Name „Balanceakt“ bezieht sich nicht nur auf diese ideelle Haltung, sondern auch auf die architektonische Spannung zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Der Standort markiert einen historischen Bruch: Nur wenige Meter entfernt verlief einst der Berliner Mauerstreifen – ein Ort gescheiterter und tödlicher Fluchtversuche. Der Entwurf des Gebäudes von Rem Koolhaas greift diese Vergangenheit auf: Terrassen im Atrium, scharfe Kanten und die Farbgebung der Säulen spiegeln den alten Verlauf des Mauerstreifens wider. Selbst die Bezeichnung der Fahrstuhlbereiche als „East“ und „West“ verweist auf die einstige politische Teilung.
Ein weiterer historischer Bezug liegt in den 95 „Stolpersteinen“, die um das Gebäude herum verlegt sind. Sie erinnern an die jüdischen Bewohner des Areals, das vor 1945 zum historischen Berliner Zeitungsviertel gehörte. Diese Gedenktafeln unterstreichen die Verantwortung des Unternehmens für die Aufarbeitung seiner eigenen Geschichte – ein Balanceakt zwischen Erinnerung und Fortschritt.
Das Gebäude selbst besticht durch seine Höhe von fast 45 Metern und eine Mischung aus offenen Büroflächen, Serviceangeboten wie Cafés und einem Restaurant sowie Eventflächen. Die Architektur setzt bewusst Kontraste: Während die Backsteinfassaden der umliegenden SoHo-Wohnungen traditionell wirken, hebt sich der Neubau mit seiner modernen, fast „extravaganten“ Form ab – ein Spiegelbild der Rolle des Medienhauses, das traditionelle Medien mit digitalen Innovationen verbindet.
Der „Balanceakt“ ist somit mehr als eine Skulptur: Er verkörpert die Spannung zwischen kritischer Medienarbeit, historischer Verantwortung und architektonischer Avantgarde – ein ständiges Ringen um Ausgleich, das den Ort bis heute prägt.