Berthold Rothschild
Highlights
- Berthold Rothschild wurde 1894 in Gießen geboren und war Miteigentümer einer Borstengroßhandlung.
- Er lebte mit seiner Frau Grete Franziska Rosenthal in Berlin und beging 1943 Selbstmord.
- Seine Geschwister emigrierten teilweise, eine Schwester wurde 1942 deportiert und ermordet.
Tipps
- Besucher finden den Stolperstein vor dem ehemaligen Wohnhaus in der Ansbacher Straße 18, heute Gedenkort für das Ehepaar Rothschild.
- Die Pension Rosenbaum in der Uhlandstraße 182 war eine Zwischenstation vor dem Umzug in die Ansbacher Straße.
- Hinterlassene Möbel und Wertsachen wurden nach dem Selbstmord der Rothschilds verwertet, was zu Nachlassstreitigkeiten führte.
Eigenschaften
Über Berthold Rothschild
Berthold Rothschild wurde als Sohn jüdischer Eltern in Gießen geboren. Er wuchs in einer Familie mit mehreren Geschwistern auf und übernahm später gemeinsam mit seinem Vater die Leitung einer Borstengroßhandlung, die ursprünglich 1865 gegründet worden war. Die Firma wurde jedoch im Laufe der nationalsozialistischen Periode liquidiert. Berthold Rothschild heiratete Grete Franziska Rosenthal, und das Paar zog später nach Berlin.
In der Hauptstadt teilten sich das Ehepaar zunächst eine Unterkunft in der Uhlandstraße, bevor es in eine Wohnung in der Ansbacher Straße zog. Diese befand sich im Bezirk Schöneberg, einem Stadtteil im damaligen Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Die Unterkunft war möbliert, und das Paar bewohnte lediglich ein Zimmer in der gemeinsamen Wohnung einer jüdischen Familie, die später deportiert wurde. Nur wenige Tage nach dieser Deportation begingen Berthold und Grete Franziska Rothschild am 14. März 1943 Selbstmord, offenbar infolge der traumatischen Ereignisse.
Nach ihrem Tod wurden ihre Hinterlassenschaften inventarisiert und verwertet. In der Wohnung fanden sich Geldbeträge, Kleidung sowie weitere Gebrauchsgegenstände. Ein Teil der Habe war auch bei einer Spedition in Gießen gelagert. Die Verwertung des Nachlasses wurde durch verschiedene Behörden koordiniert, wobei ein beachtlicher Teil des Vermögens staatlich eingezogen wurde. Die Verwaltung des Nachlasses führte zu weiteren Auseinandersetzungen, da auch Gegenstände der Vermieter möglicherweise fälschlicherweise mitverkauft worden waren.
Die beiden wurden auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee begraben. Ihre Familienmitglieder hatten unterschiedliche Schicksale: Während einige der Geschwister noch vor den massiven Verfolgungen emigrieren konnten, wurde ihre Schwester Hedwig Lewinthal später nach Theresienstadt deportiert und kam im KZ Auschwitz ums Leben. Berthold Rothschilds Leben und Tod spiegeln exemplarisch das Schicksal vieler jüdischer Bürger in der Zeit des Nationalsozialismus wider.