REMEMBER | Anatomy
Highlights
- REMEMBER zeigt acht Skulpturen auf dem Charité-Campus zu NS-Medizinverbrechen und deren historischem Kontext.
- Interaktive Tablets mit App führen zu den Gedenkorten und vertiefen künstlerisch die NS-Vergangenheit der Charité.
- Das Projekt verbindet Medizinethik, Kunst und Geschichte – initiiert von Charité, UDK Berlin und Medizinhistorischem Museum.
Tipps
- Die acht Gedenkskulpturen verteilen sich über den historischen Campus der Charité und ermöglichen eine räumliche Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit an konkreten Orten.
Eigenschaften
Anatomie-Gedenkort REMEMBER in Berlin
Der REMEMBER | Anatomy ist ein einzigartiges, interaktives Denkmal in Berlin, das sich mit der ambivalenten Rolle der Charité während der NS-Zeit auseinandersetzt. Als Gedenkpark führt er Besucher:innen durch acht künstlerisch gestaltete Skulpturen, die an historischen Orten des Charité-Campus verstreut sind. Die Installation verbindet Vergangenheit und Gegenwart und lädt zum Nachdenken über medizinische Verantwortung und menschliche Schicksale ein. Durch die Kombination aus Kunst und Geschichte wird ein Ort des Innehaltens geschaffen, der die komplexe Verstrickung der Charité in die Verbrechen des Nationalsozialismus veranschaulicht.
Die Charité, 1710 als Pesthaus gegründet, entwickelte sich zu einem zentralen medizinischen Institut mit dem Auftrag der Nächstenliebe – ein Prinzip, das im 20. Jahrhundert jedoch gravierend untergraben wurde. Die Skulpturen des Projekts, geschaffen von der Künstlergruppe Sharon Paz, Jürgen Salzmann und Karl-Heinz Stenz, thematisieren systematische Menschenversuche, die „Euthanasie“-Aktionen und die Ausbeutung von Patient:innen. Besonders betroffen waren Kinder, die im Namen der „vorbeugenden Gesundheitsführung“ medizinischen Experimenten unterzogen wurden. Die Werke verweisen auf diese Verbrechen und machen sie durch ihre künstlerische Sprache erfahrbar.
Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist die REMEMBER-App, die kostenfrei im nahen Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité ausgeliehen werden kann. Die App führt Besucher:innen nicht nur zu den Skulpturen, sondern bietet auch vertiefende Informationen zu den historischen Hintergründen. Sie verbindet so die physische Wanderung durch den Campus mit einer digitalen Auseinandersetzung. Die App nutzt dabei künstlerische Perspektiven, um die düstere Historie greifbar zu machen und eine Reflexion über ethische Grenzen der Medizin zu ermöglichen.
Die Entstehung von REMEMBER | Anatomy ist das Ergebnis einer interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen dem Institut für Geschichte der Medizin, der Universität der Künste Berlin und dem Medizinhistorischen Museum der Charité. Die Ausstellung „Der Anfang war eine feine Verschiebung“ dokumentiert in neun Stationen, wie medizinische Wissenschaft und Praxis in der NS-Zeit systematisch an der Bevölkerung verübt wurden. Besonders hervorgehoben werden die Verknüpfung von „erbkrank“ deklarierten Menschen mit Kriminalität sowie die gezielte Auslöschung von Kindern im Rahmen der „Euthanasie“-Programme.
Der Gedenkpark ist Teil eines größeren Konzepts, das die Charité als Ort der Erinnerung und des Lernens etablieren soll. Durch die Skulpturen und die begleitende Ausstellung wird ein Bewusstsein für die Verantwortung des medizinischen Systems geschaffen. Die Künstler:innen, die seit Jahren international ausstellen, haben mit diesem Projekt eine bleibende Spur in Berlin hinterlassen – ein Mahnmal, das die Vergangenheit nicht vergessen lässt und gleichzeitig die Gegenwart in den Dialog einbezieht. REMEMBER | Anatomy ist damit mehr als ein Denkmal; es ist ein Ort der Auseinandersetzung mit den dunklen Kapiteln der Medizingeschichte.