Galerie

Wege des Erinnerns

Müllerstraße 146/147, 13353 Berlin

Tipps

  • Besucher finden an der Müllerstraße 146/147 eine Galerie mit zeitgenössischer Kunst und wechselnden Ausstellungen, die gesellschaftliche Themen reflektieren.
  • Das ehemalige Flächendenkmal im Bayerischen Viertel zeigt auf 80 Schildern die Entrechtung der Juden unter dem NS-Regime.
  • Interessierte können freien Zugang zur Galerie erhalten und sich über aktuelle Führungen und Workshops informieren.

Eigenschaften

Bei Regen geeignet Bildung Kulturell Ganzjährig

Über Wege des Erinnerns

Die „Wege des Erinnerns“ sind ein bedeutendes kulturelles und gedenkpolitisch relevantes Projekt in Berlin, das sich mit den Spuren jüdischen Lebens und der Verfolgung unter dem Nationalsozialismus beschäftigt. Verwirklicht wurde dieses Denkmal durch die Künstler Renata Stih und Frieder Schnock, die mit ihrer Konzeption ein ungewöhnliches Flächendenkmal entwarfen, das direkt in den Alltag der Stadt eingewoben ist. Es besteht aus einer Vielzahl von Schildern, die an historischen Orten platziert sind und Erinnerung in Form von Texten und Bildern sichtbar machen – ein stilles, aber eindringliches Zeugnis der Entrechtung, Vertreibung und Ermordung der Berliner Jüdinnen und Juden zwischen 1933 und 1945.

Der historische Kontext dieses Denkmals liegt im Bayerischen Viertel in Schöneberg, einem Stadtgebiet, das vor 1933 von einer lebendigen jüdischen Gemeinschaft geprägt war. Die ersten Deportationen begannen hier 1941, und bis 1943 war das Viertel faktisch „judenfrei“. Jahrzehntelang blieb diese Geschichte weitgehend unsichtbar, bis engagierte Bürgerinnen und Bürger in den 1980er Jahren begannen, die Erinnerung wieder wachzurufen. Durch intensive Recherchen fanden sie zahlreiche Dokumente, darunter auch Listen der Entrechtung und Deportation, die als Grundlage für das heutige Denkmal dienten. Die Gestaltung der „Wege des Erinnerns“ folgt dabei dem Anspruch, Erinnerung im öffentlichen Raum erfahrbar zu machen – ohne Monumentalität, dafür umso eindringlicher.

Die „Wege des Erinnerns“ sind somit mehr als ein klassisches Denkmal – sie sind ein kultureller Ausflugsziel erster Güte, das Einblicke in eine zentrale Dimension der NS-Verfolgung gibt und dabei stets den lokalen Bezug betont. Die Schilder laden dazu ein, die Geschichte vor der eigenen Haustür neu zu entdecken und stehen exemplarisch für eine Form der Erinnerungskultur, die in Berlin besonders gepflegt wird. Die künstlerische Auseinandersetzung mit Geschichte findet hier ihren Ort, ohne dass sie museal oder abstrakt bleibt – vielmehr wird der Besucher aktiv zum Mitdenken und Mitgehen eingeladen.

Parallel dazu verfolgt die Galerie Wedding, eine weitere wichtige kulturelle Institution Berlins, ähnliche Ziele. Sie widmet sich als kommunale Galerie in Mitte zeitgenössischen künstlerischen Positionen, die sich mit gesellschaftlichen Fragestellungen auseinandersetzen. Die Ausstellungen dort knüpfen oft an aktuelle Debatten an und bieten Raum für kritischen Austausch. Insofern ergänzen sich beide Orte: Während die „Wege des Erinnerns“ die Vergangenheit sichtbar machen, setzt die Galerie Wedding Impulse für die Zukunft – beide verbunden durch das gemeinsame Ziel, Kunst und Erinnerung als lebendigen Teil des urbanen Lebens zu etablieren.

Besucherinnen und Besucher, die sich für Gedenkstätten und zeitgenössische Kunst interessieren, finden in diesem kulturellen Angebot Berlins einen Ort, der sowohl historisch sensibel als auch künstlerisch inspirierend ist. Die „Wege des Erinnerns“ laden dazu ein, innezuhalten, nachzudenken und sich mit einer der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte auseinanderzusetzen – direkt im Stadtteil, mitten unter den Menschen.

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