Tana Berghausen
Highlights
- Tana Berghausen wurde 1942 in Bielefeld geboren und starb 1943 in Auschwitz.
- Sie war das erste Kind jüdischer Eltern, die 1943 deportiert wurden.
- In Bielefeld erinnern Straßen und Stolpersteine an ihr Schicksal.
Eigenschaften
Kulturdenkmal Tana Berghausen in Bielefeld entdecken
Das Gedenken an Tana Berghausen ist untrennbar mit der Erinnerung an die jüdische Gemeinschaft in Bielefeld und das Schicksal jüdischer Familien während der Zeit des Nationalsozialismus verbunden. Tana wurde 1942 im nordrhein-westfälischen Bielefeld geboren und war das erste Kind von Julius und Ursula Berghausen. Ihre Eltern lebten zuvor in einem der Bielefelder Zwangsarbeitslager, wo sie unter unmenschlichen Bedingungen zur Welt kam. Nur wenige Monate später, im März des folgenden Jahres, wurde die Familie gemeinsam mit weiteren jüdischen Bürgerinnen und Bürgern aus Bielefeld von der Gestapo zum Güterbahnhof getrieben und in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Bei der Ankunft wurde das kleine Kind von einem SS-Mann auf der Selektionsrampe vor den Augen ihrer Eltern brutal getötet.
Tanas Vater, Julius Berghausen, war zuvor aus einem Umschulungslager in Paderborn in ein Bielefelder Arbeitslager verlegt worden, wo er 1941 seine spätere Ehefrau Ursula heiratete. Auch sie lebte im Lager, bevor ihre Tochter geboren wurde. Die gesamte Familie Berghausen gehörte zu den etwa 230 jüdischen Menschen, die an jenem Morgen aus Bielefeld deportiert wurden. Unter den Deportierten befanden sich auch Frauen und kleine Kinder, was die Brutalität der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtungspolitik besonders deutlich macht. Die genauen Todesdaten von Julius und Ursula Berghausen sind nicht überliefert, ihr Schicksal jedoch bleibt untrennbar mit dem der sechs Millionen ermordeten europäischen Jüdinnen und Juden verbunden.
Als Zeichen des Gedenkens und der Versöhnung wurden in Bielefeld zwei Straßen nach Tana Berghausen und Ruben Baer benannt, einem weiteren jüdischen Kind aus der Stadt, das ebenfalls in Auschwitz ermordet wurde. Daneben erinnern Stolpersteine, verlegt vom Künstler Gunter Demnig, an die Lebensstationen der Familie Berghausen. Diese Gedenksteine befinden sich am ehemaligen Standort des Arbeitslagers in der Schloßhofstraße und tragen dazu bei, das individuelle Schicksal im kollektiven Gedenken sichtbar zu machen. Die Initiative „Stolpersteine Bielefeld“ setzt sich dafür ein, die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus in der Stadt lebendig zu halten und bildet eine wichtige Grundlage für Bildungsarbeit an Schulen und in der Öffentlichkeit.
Die Geschichte von Tana Berghausen steht exemplarisch für die Verbrechen des Nationalsozialismus, die auch in Bielefeld und im heutigen Nordrhein-Westfalen stattfanden. Sie verdeutlicht die systematische Ausgrenzung, Entrechtung und schließlich die physische Vernichtung jüdischer Menschen – darunter unschuldige Kinder – durch die nationalsozialistischen Machthaber. Die Erinnerung an ihr Leben und Sterben ist nicht nur ein Akt der Trauer, sondern auch ein Mahnmal gegen Vergessen, Rassismus und Menschenfeindlichkeit. In Bielefeld wird diese Erinnerung durch verschiedene Bildungsprojekte, Gedenkorte und Initiativen lebendig gehalten, die das Bewusstsein für die historische Verantwortung wachhalten.