KZ Gedenkstätte Neckarelz
Highlights
- Das KZ Neckarelz entstand 1944 in einer Schule und wurde zum Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof ausgebaut.
- Die Häftlinge bauten unterirdische Stollen für die Rüstungsproduktion der Daimler-Benz-Fabrik mit dem Decknamen „Goldfisch“.
- Heute erinnern die Gedenkstätte und der Geschichtspfad „Goldfisch“ an die ehemaligen Lager und Zwangsarbeiter der Region.
Tipps
- Bei einem Besuch der KZ Gedenkstätte Neckarelz lohnt sich eine Führung, um vertieftes Wissen über die historischen Zusammenhänge zu erhalten.
- Der Geschichtspfad „Goldfisch“ in Obrigheim führt zu den ehemaligen Stollen und vermittelt eindrücklich den Ort der Zwangsarbeit unter Tage.
- Das Museum informiert umfassend über das KZ Neckarelz, die Häftlinge sowie Täter und Profiteure der Ausbeutung.
Eigenschaften
Über KZ Gedenkstätte Neckarelz
Die KZ Gedenkstätte Neckarelz erinnert heute an ein dunkles Kapitel der nationalsozialistischen Verbrechen in der Region Mosbach, Baden-Württemberg. Im Jahr 1944 wurde in der damaligen Schule des Ortsteils Neckarelz ein Konzentrationslager eingerichtet, das später zum größten der sogenannten „Neckarlager“ wurde. Es diente als Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof und stellte Arbeitskräfte für den Ausbau einer unterirdischen Rüstungsfabrik in der nahegelegenen Gipsgrube bei Obrigheim bereit. Diese Fabrik, unter dem Tarnnamen „Goldfisch“ bekannt, entstand im Zuge der Untertageverlagerung kriegswichtiger Produktion.
Ursprünglich in einer Volksschule untergebracht, wurde das Gelände schnell zu einem Ort der Unterdrückung und Zwangsarbeit umfunktioniert. Die Häftlinge mussten die Schlafräume in die Klassenzimmer einrichten, Stacheldrahtzäune errichten und Baracken auf dem Schulhof aufbauen. Im Laufe weniger Monate wuchs das Lager aus, sodass weitere Unterkommandos in der Region entstanden. Insgesamt bildeten sechs Lager den „KZ-Komplex Neckarelz“, der zeitweise bis zu 3.000 Häftlinge beherbergte. Neben der Schule in Neckarelz fungierte auch das Bahnhofsareal als Lagerstandort.
Die KZ-Häftlinge waren vorwiegend in der Gipsgrube bei Obrigheim tätig, wo sie unter unmenschlichen Bedingungen die Stollen für die unterirdische Motorenfabrik ausbauten. Dabei handelte es sich um eine Verlagerung des Daimler-Benz-Motorenwerks aus Genshagen bei Berlin. Neben KZ-Häftlingen wurden auch zahlreiche Zwangsarbeiter aus verschiedenen Ländern in der Region eingesetzt. Nach dem Krieg geriet die Geschichte des Lagers zunächst in Vergessenheit, bis 1953 französische Überlebende eine Gedenktafel an der ehemaligen Lagerstätte anbrachten. Heute dient die Gedenkstätte als Ort der Erinnerung und Aufarbeitung der NS-Verbrechen.
Ein besonderer Bestandteil der Gedenkstätte ist der sogenannte Goldfisch-Pfad, ein Geschichtslehrpfad bei Obrigheim, der zu den Eingängen der ehemaligen Stollen führt und die Spuren der unterirdischen Rüstungsproduktion sichtbar macht. Die Ausstellung in der Gedenkstätte selbst informiert nicht nur über das Schicksal der Häftlinge, sondern auch über die Täter sowie die lokalen Profiteure der Zwangsarbeit. Regelmäßig finden hier Führungen, Vorträge und Bildungsangebote für Gruppen statt, die sich mit der Geschichte des Nationalsozialismus auseinandersetzen wollen.