Kamelleboom
Highlights
- Der Kamelleboom ist ein historischer Baum in Alfter, der seit 1477 als Ort für Schilderungen und Bräuche dient.
- An diesem Ort regnet es für Kinder Süßigkeiten, wenn sie den hohlen Baumstamm berühren.
- Traditionell markierte der Baum die Grenze zwischen Alfter und Heimerzheim und wurde früher als Wegkreuzung genutzt.
Tipps
- Kinder können Süßigkeiten aus dem hohlen Baumstamm ziehen, wenn Eltern sie von oben hineinwerfen.
- Der Kamelleboom ist ein beliebtes Wanderziel im Vorgebirge und eignet sich besonders für Familien mit Kindern.
- Traditionelle Spiele und Bräuche rund um den Baum bieten Unterhaltung für Jung und Alt.
Eigenschaften
Über Kamelleboom
Der Kamelleboom ist eine historische Sehenswürdigkeit im nordrhein-westfälischen Alfter, gelegen im Rhein-Sieg-Kreis. Er markiert eine traditionelle Wegkreuzung im Waldgebiet der Ville und gilt als kulturelles Denkmal mit besonderer Bedeutung für die Region. Ursprünglich handelte es sich um einen alten Grenzbaum, der über Jahrhunderte Bestandteil der Landschaft war. Der Name geht auf eine lokale Überlieferung zurück, wonach aus dem hohlen Stamm Süßigkeiten – sogenannte Kamellen – geworfen wurden, die von oben hereingesteckt und unten wieder herausfielen.
Der ursprüngliche Baum, ein uralter Eichenstamm, stand vermutlich über 500 Jahre an diesem Ort, ehe er in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch einen Vorfall mit einem schweren Waldfahrzeug beschädigt und letztlich umgestürzt wurde. Sein Alter wurde damals anhand der Jahresringe grob geschätzt. Nach seinem Fall wurde der Baum von engagierten Waldarbeitern geborgen und als Denkmal in einen Betonsockel eingelassen. Heute steht dieser hohle Baumstamm unweit des neuen Kamellebooms, eines jungen Lindenbaums, der offiziell den alten Baum ersetzt. Beide Bäume befinden sich an einer lichteren Stelle im Wald, zu der mehrere Wege führen – ein beliebtes Wanderziel, das sowohl für Spaziergänger als auch Familien mit Kindern von Bedeutung ist.
Der Brauch mit den Kamellen hat eine anschauliche Tradition: Eltern werfen Süßigkeiten von oben in den Baumstamm, wo sie durch ein verborgenes Rohr nach unten zu den Kindern gelangen. Diese Tradition knüpft an die Zeit an, als Bauersfrauen aus benachbarten Dörfern ihre Waren zur nahen Bahnstation in Roisdorf brachten. Auf dem Rückweg trafen sie auf ihre wartenden Kinder, die sie mit Süßigkeiten überraschten – eine Praxis, die sich an diesem Baum etablierte. Neben der kinderfreundlichen Seite hatte der Baum auch eine gesellige Funktion: Er war Zielpunkt von Volksfesten und brachte bei Spielen und Schabernack viel Bewegung in die Gemeinschaft.
Der Kamelleboom markiert bis heute die historische Grenze zwischen den ehemaligen Herrlichkeiten Alfter und Heimerzheim. Möglicherweise handelt es sich bei dem alten Baum um denselben Exemplar, der in einer mittelalterlichen Grenzbeschreibung erwähnt wird. Solche Bäume dienten damals als langlebige Markierungen von Besitztümern oder Verwaltungsgrenzen. Um sie vor dem Fällen zu schützen, wurden sie oft absichtlich unbrauchbar gemacht, etwa durch das Verwinden junger Triebe. Im Umfeld des Kamellebooms wurden im Zuge seiner Neubelebung auch mehrere historische Grenzsteine aufgestellt, die die Vermessungstradition des 18. Jahrhunderts widerspiegeln.