Denkmal/Gedenkstätte

Erna Wazinski

38100 Braunschweig

Eigenschaften

Bildung Kulturell Ganzjährig

Kulturdenkmal Erna Wazinski in Braunschweig entdecken

Erna Wazinski ist eine tragische Gestalt der deutschen Geschichte und steht exemplarisch für das Schicksal vieler unschuldiger Menschen unter dem Nationalsozialismus. In Braunschweig erinnert ihr Name heute an das Unrecht, das ihr widerfahren ist. Geboren wurde sie in einem kleinen Dorf im damaligen Ostpreußen und wuchs mit ihrer alleinerziehenden Mutter in ärmlichen Verhältnissen im Magniviertel von Braunschweig auf. Nach verschiedenen Anstellungen und Aufenthalten in Jugendheimen wurde sie schließlich in einem Rüstungsbetrieb der Stadt eingesetzt – wie viele andere junge Frauen auch, die in der Kriegszeit zur Arbeitskraft verpflichtet wurden.

Das Leben der jungen Frau nahm eine tragische Wendung, nachdem Braunschweig einem verheerenden Bombenangriff ausgesetzt war. Ihr eigenes Wohnhaus brannte vollständig ab. In der Folge nahm sie gemeinsam mit ihrem Freund einige Gegenstände aus dem Keller des zerstörten Gebäudes, was später als Plünderung gewertet wurde. Angeblich aufgrund dieser Handlung wurde sie von einer Nachbarin denunziert und kurz darauf von der Gestapo festgenommen. Nach brutalen Verhören gestand sie – wie später dokumentiert wurde, unter körperlichem Druck. Nur wenige Stunden später verkündete das Sondergericht Braunschweig ein Todesurteil gegen die 19-Jährige, gestützt auf die sogenannte Volksschädlingverordnung, ein Instrument der nationalsozialistischen Willkürjustiz.

Am 23. November 1944 wurde Erna Wazinski im Gefängnis von Wolfenbüttel hingerichtet. Ihr Fall wurde erst Jahre später wieder aufgerollt. Trotz mehrerer Gerichtsverfahren und neu aufgetauchter Zeugenaussagen zögerten deutsche Gerichte lange, das damalige Urteil als rechtswidrig anzuerkennen. Erst 1991 wurde sie posthum freigesprochen. Mit Inkrafttreten des Gesetzes zur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile im Jahr 1998 wurden alle Urteile dieser Art pauschal für nichtig erklärt. Heute ruhen die umfangreichen Prozessakten im Staatsarchiv Wolfenbüttel und zeugen von der Willkür und Grausamkeit der NS-Justiz.

In Braunschweig erinnert ein Stolperstein an das Schicksal von Erna Wazinski. Er liegt in der Langedammstraße im Magniviertel, unweit der ehemaligen Wohnstätte der jungen Frau. Die Gedenkstätte wurde vom Verein „Stolpersteine für Braunschweig“ initiiert, der sich seit Jahren dafür einsetzt, die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus wachzuhalten. Der Stolperstein trägt den Namen Erna Wazinski sowie wichtige Stationen ihres Lebens – und mahnt daran, wie schnell Unrecht geschehen und Menschenleben zerstört werden können.

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