Denkmal/Gedenkstätte

Lange Riege

Riegestraße 6, 58091 Hagen

Highlights

  • Die Lange Riege in Hagen-Eilpe gilt als älteste Arbeitersiedlung Westfalens.
  • Gegründet 1661 von Solinger Klingenschmieden, die vom Großen Kurfürsten angesiedelt wurden.
  • Das Ensemble ist heute Teil der Route der Industriekultur und weitgehend erhalten.

Tipps

  • Die historischen Häuser der Langen Riege sind authentisch rekonstruiert und bieten Einblicke in das Leben der frühen Klingenschmiede.
  • Das ehemalige Schulhaus kann besichtigt werden und zeigt die Bedeutung der Bildung für die Siedlung.
  • Entlang des Selbecker Baches lässt sich der ursprüngliche Standort der Werkstätten und Wohnungen gut nachvollziehen.

Eigenschaften

Bildung Kulturell Ganzjährig

Über Lange Riege

Die Lange Riege im Stadtteil Eilpe der nordrhein-westfälischen Stadt Hagen gilt als älteste erhaltene Arbeitersiedlung Westfalens und bildet ein bemerkenswertes Zeugnis der industriekulturellen Geschichte der Region. Die Siedlung entstand im Zuge einer Ansiedlung von Klingenschmieden aus Solingen, die nach dem Dreißigjährigen Krieg unter kurfürstlichem Schutz ihre Werkstätten und Wohnungen in Eilpe errichten durften. Diese enge Verzahnung von Wohnen und Arbeiten prägte das Stadtbild und führte zur charakteristischen Bauweise: Die Häuser stehen eng aneinander gereiht entlang des ehemaligen Selbecker Baches, was der Siedlung ihren volkstümlichen Namen „Lange Riege“ einbrachte.

Die hier ansässigen Schmiedefamilien entwickelten Eilpe im Laufe der Zeit zu einem bedeutenden Zentrum der Messerherstellung. Ihre Produkte erlangten über die Grenzen Brandenburgs hinaus europäischen Ruhm. Unterstützt durch kurfürstliche Aufträge und günstige Standortbedingungen blühte das Handwerk über mehrere Jahrhunderte. Parallel zur wirtschaftlichen Entwicklung förderte die Gemeinschaft den Bildungsgedanken: Bereits um 1665 entstand mit kurfürstlicher Unterstützung eine Schule für die Kinder der Schmiede. Diese enge Verbindung von Arbeit, Leben und Bildung prägte das Selbstverständnis der Siedlung.

Ab dem frühen 19. Jahrhundert setzte jedoch der wirtschaftliche Niedergang ein. Der Wegfall staatlicher Aufträge sowie der Wettbewerb durch das Bergische Land führten dazu, dass die Produktion sukzessive zurückging. Obwohl noch um die Mitte des Jahrhunderts zahlreiche Schmiedemeister aktiv waren, konnten sie sich nicht mehr gegen die technische Konkurrenz behaupten. Das über dreihundertjährige Handwerk endete schließlich Anfang des 20. Jahrhunderts mit der Auflösung der letzten Messerschmiederei aus dem Berufsverzeichnis. Heute zeugt die Lange Riege in ihren erhaltenen Gebäudeteilen von dieser einst florierenden Epoche.

Als historisches Bauensemble ist die Lange Riege Teil der Route der Industriekultur und damit ein Ankerpunkt des kulturellen Erbes im südlichen Ruhrgebiet. Die Bausubstanz, die weitgehend ihren ursprünglichen Charakter bewahrt hat, macht die Siedlung zu einem wichtigen Denkmal der frühen Arbeitersiedlungen. Lediglich zwei Gebäude sind heute noch vollständig erhalten, was die Authentizität der Anlage unterstreicht, jedoch auch ihre begrenzte Zugänglichkeit verdeutlicht. Die Lange Riege bleibt ein Ort der Erinnerung an die industrielle Frühzeit Westfalens und die Lebenswelt einer Handwerkerschaft.

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