Pfarramt II
Highlights
- Pfarramt II Calw umfasst die neugotische Stadtkirche (1888–92) mit gotischem Chor (14. Jh.) und romanischen Mauerresten (ab 800 Jahre alt).
- Die Kirche vereint 1970 eingefügte farbenfrohe Glasfenster von Wolf-Dieter Kohler mit spätgotischem Deckengewölbe (wiederhergestellt 1996).
- Nur die Marienkapelle und der Eulenturm überstanden den Klosterbrand 1692 – heute einziges intaktes Klostergebäude Calws.
Eigenschaften
Kultur & Sakrales im Pfarramt II Calw entdecken
Das Pfarramt II in Calw ist ein historisches Gebäude von besonderer Bedeutung für die regionale Kirchengeschichte. Es gehört zu den wenigen Überresten der einst mächtigen Klosteranlage Hirsau, die im 11. Jahrhundert gegründet wurde. Während der Brand von 1692 die meisten Klostergebäude zerstörte, blieb dieses Pfarrhaus als einziges Bauwerk erhalten – ein Zeugnis der Widerstandsfähigkeit und des kulturellen Erbes der Region.
Der Bau vereint Elemente verschiedener Epochen und spiegelt die wechselvolle Geschichte Calws wider. Sein Kern stammt vermutlich aus dem 12. Jahrhundert, wobei archäologische Funde auf eine mögliche Jakobskapelle hinweisen. Die romanischen Mauerreste mit ihren kleinen Fenstern sind bis heute erhalten und verleihen dem Gebäude seinen einzigartigen Charakter. Spätere Umbauten, insbesondere im 15. und 16. Jahrhundert, prägten das heutige Erscheinungsbild, das durch eine harmonische Verbindung von Sakral- und Wohnfunktion besticht.
Das Pfarramt II diente nicht nur als geistliches Zentrum, sondern auch als Wohnraum für die Geistlichen. Sein zierlicher Innenraum mit ausgewogener Farbigkeit und restaurierten Deckenmalereien verrät den ursprünglichen Zweck als Ort der Andacht und des Gebets. Besonders auffällig sind die zwölf Apostelbüsten an den Wandsäulen, die mit Spruchbändern versehen sind und auf das gemeinsame Glaubensbekenntnis verweisen. Diese Figuren sind ein seltenes Beispiel für die künstlerische Gestaltung sakraler Räume der Spätgotik in der Region.
Das Pfarramt steht in engem Zusammenhang mit der nahegelegenen Marienkapelle in den Klosterruinen von Hirsau, die ebenfalls den Brand von 1692 überdauerte. Beide Gebäude sind Teil eines größeren Komplexes, der einst zum Zisterzienserkloster gehörte und heute als kulturelles Erbe der Stadt Calw gewürdigt wird. Die Verbindung dieser historischen Stätten bietet Besuchern die Möglichkeit, die spirituelle und bauliche Tradition der Region nachzuvollziehen – von der Gründung des Klosters bis zur heutigen Nutzung als Pfarrhaus.
Heute dient das Pfarramt II weiterhin als Ort der Gemeinschaft und des Austauschs. Durch Führungen und Veranstaltungen wie die „EinkehrZeit“ wird die Geschichte des Gebäudes lebendig gehalten und der Geist vergangener Zeiten bewahrt. Es ist ein Ort, an dem sich Geschichte und Gegenwart verbinden – ein stiller Zeuge der christlichen Tradition in Calw und ein Muss für alle, die sich für sakrale Architektur und regionale Kultur interessieren.