Denkmal/Gedenkstätte

Kilianskapelle

Schuhmarkt 4, 35037 Marburg

Highlights

  • Die Kilianskapelle in Marburg ist die älteste erhaltene romanische Kapelle der Kernstadt, erbaut zwischen 1180 und 1200 als Marktkapelle.
  • 1580 erhielt die Kapelle ein Fachwerk-Obergeschoss, das als Schusterstube genutzt wurde, nachdem 1560 Giebel und Gewölbe abgebrochen waren.
  • Nach Sanierung seit 2013 dient die Kapelle heute als Studierendenunterkunft und steht am Schuhmarkt in der Oberstadt.

Tipps

  • Die Kilianskapelle zeigt an der Fassade eine Gedenktafel mit Informationen zur Baugeschichte und den historischen Veränderungen des Gebäudes.
  • Der ehemalige Kirchhof um die Kapelle wurde im 15. Jahrhundert durch den Abriss der Synagoge und den Neubau einer Mauer umgestaltet.
  • Die romanische Bauweise der Kapelle lässt sich an der erhaltenen Westwand und dem originalen Portalbogen erkennen, der mit einer Inschrift des Baumeisters verziert ist.

Eigenschaften

Bildung Kulturell Ganzjährig

Kulturdenkmal Kilianskapelle Marburg

Die Kilianskapelle in Marburg zählt zu den ältesten erhaltenen Gebäuden der Marburger Kernstadt und ist ein bedeutendes Zeugnis der romanischen Architektur. Erbaut zwischen etwa 1180 und 1200 als Marktkapelle der Pfarrei Sankt Martin in Oberweimar, steht sie heute am Schuhmarkt nahe der Reitgasse in der historischen Oberstadt – nur wenige Schritte von der Alten Universität entfernt. Ursprünglich als Friedhofskapelle mit dem Patrozinium des heiligen Kilian konzipiert, prägte sie über Jahrhunderte das Stadtbild, bevor sie im Laufe der Zeit baulichen Veränderungen unterlag.

Ihr romanischer Ursprungsbau war jedoch nicht von Dauer: Im 16. Jahrhundert wurde die Kapelle mehrfach umgestaltet. Erst 1580/81 erhielt die Kapelle ein Fachwerk-Obergeschoss, das als Schusterstube diente. Ein besonderes Detail verrät der Bogen des Haupteingangs, an dem sich die Inschrift *„Godescalcus me fecit“* – „Godescalcus hat mich geschaffen“ – findet, ein Hinweis auf den unbekannten Baumeister der Romanik.

Die Kilianskapelle war nicht nur ein religiöses Zentrum, sondern auch Schauplatz reformatorischer Geschichte. In ihrer Nähe fand 1526 die Synode von Homberg statt, eine Schlüsselfigur der frühen Reformation in Hessen. Initiiert von Landgraf Philipp dem Großmütigen, diskutierten hier Pfarrer über die Einführung lutherischer Lehren – ein Meilenstein für die kirchliche Neuordnung der Region. Obwohl die Kapelle selbst nicht direkt als Synodenort diente, steht sie symbolisch für die religiösen Umbrüche, die Marburg und die Landgrafschaft prägten.

Nach Jahrhunderten der Nutzung als Kapelle und Werkstatt erlebte das Gebäude ab 2013 eine umfassende Sanierung durch das städtische Wohnungsbauunternehmen GeWoBau. Seit Oktober 2013 dient es als Studierendenunterkunft und bewahrt so sein historisches Erbe für die Gegenwart. Als einzigartiges Beispiel romanischer Sakralarchitektur in Marburg bleibt die Kilianskapelle ein faszinierender Zeuge der Stadtgeschichte – zwischen mittelalterlichem Glauben, reformatorischem Wandel und moderner Nutzung.

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