Friedens- und Freiheitsglocke
Eigenschaften
Über Friedens- und Freiheitsglocke
Die Friedens- und Freiheitsglocke in Dessau-Roßlau ist ein beeindruckendes Mahnmal, das aus über vier Tonnen Waffenstahl gegossen wurde. Sie symbolisiert den friedlichen Wandel in der ehemaligen DDR und erinnert an die friedliche Revolution, die letztendlich zum Fall des Berliner Mauer führte. Die Glocke wurde aus Waffen geschmolzen, die zuvor von sogenannten Kampfgruppen der Arbeiterklasse – einer paramilitärischen Organisation der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) – verwendet wurden. Insgesamt fanden 1250 Sturmgewehre, 174 leichte Maschinengewehre, 87 Panzerbüchsen und 171 Pistolen aus 11 Dessauer Hundertschaften ihren Weg in das Gussmodell der Glocke.
Seit ihrer Einweihung im Jahr 2000 dient die Friedens- und Freiheitsglocke als Ort der Andacht und des Gedenkens. Sie läutet zu bedeutenden Gedenktagen wie dem Tag der Deutschen Einheit, dem 9. November oder zum Neujahr, aber auch zu aktuellen Anlässen, die für Frieden und Freiheit stehen. Ihre Inschriften verdeutlichen den symbolischen Charakter: „Keine Gewalt – ich läute für Frieden und Freiheit“, „Ohne Freiheit kein Frieden“ und „Ohne Frieden keine Freiheit“. Der Klang der Glocke soll Mahnung sein, Frieden und Freiheit als wertvolle und zerbrechliche Errungenschaften zu begreifen, die stets neu verteidigt werden müssen.
Die Glocke steht in einer Tradition weltweiter Friedensglocken, die Geschichten von Krieg, Gewalt, aber auch von Versöhnung und Neuanfängen erzählen. Ihre Gestaltung entstand durch die Rippenentwürfe von Margarete Schilling aus Apolda, gegossen wurde sie in der Glockengießerei Rudolf Perner in Passau/Karlsruhe und später in der ASUG Dessau, heute STAHLGUSS Dessau GmbH. Die Konstruktion des Glockenstuhls mit vier Doppel-T-Trägern und einer Höhe von elf Metern unterstreicht die monumentale Präsenz des Mahnmals. Mit einem Durchmesser von über zwei Metern und einer Gesamthöhe von 2,11 Metern ist sie ein eindrucksvolles Zeugnis der Geschichte.
Der Standort der Glocke – der Platz der Deutschen Einheit – unterstreicht ihre Bedeutung als Symbol der Einheit und Versöhnung. Die Geschichte ihrer Entstehung ist eng verknüpft mit den Ereignissen der friedlichen Revolution in Dessau. Initiativgruppen wie die „6. Dezember“ spielten eine entscheidende Rolle bei der Organisation demokratischer Prozesse in Betrieben der DDR. In einem historischen Schritt forderten die Beschäftigten der Magnetbandfabrik Dessau nicht nur die Entfernung der SED und der Staatssicherheit aus ihren Betrieben, sondern auch die Vernichtung der Waffen der Kampfgruppen. Diese Waffen wurden später sicher verwahrt und dienten schließlich als Rohstoff für die Glocke.