Siedlung Törten
Highlights
- Die Siedlung Törten in Dessau wurde 1926–1928 als Musterbeispiel für günstigen Massenwohnungsbau errichtet.
- Architekt Walter Gropius plante die 314 Reihenhäuser mit Fabrikationsmethoden und standardisierten Bauteilen.
- Heute sind Teile der Siedlung denkmalgeschützt und werden restauriert, um das bauhauszeitliche Wohnkonzept zu zeigen.
Eigenschaften
Über Siedlung Törten
Die Siedlung Törten in Dessau ist eine bedeutende Bauhaus-Siedlung und zählt heute zu den Kulturdenkmälern der Stadt. Entstanden während der Weimarer Republik als Antwort auf den dringenden Wohnungsnotstand, wurde sie im Rahmen des Reichsheimstättengesetzes errichtet. Die Stadt Dessau beauftragte das Bauhaus mit der Planung, das daraufhin innovative Konzepte für kostengünstigen Massenwohnungsbau umsetzte. Die Siedlung gilt als Prototyp für moderne, industrielle Bauweise und ist heute Teil des UNESCO-Welterbes.
Die Umsetzung erfolgte in mehreren Bauphasen und umfasste insgesamt 314 Reihenhäuser mit Wohnflächen zwischen 57 und 75 Quadratmetern. Jedes Haus verfügte über einen eigenen Garten von 350 bis 400 Quadratmetern, der den Bewohner*innen eine gewisse Selbstversorgung ermöglichen sollte. Die Gebäude wurden mit kostensparenden Methoden errichtet, darunter vorgefertigte Bauteile und ein industriell organisierter Bauprozess. Besonders auffallend ist die klare, schlichte Formensprache, typisch für den Bauhaus-Stil: helle Farben, klare Linien und horizontale sowie vertikale Fensterbänder prägen das Erscheinungsbild der Siedlung.
Ursprünglich unterschieden sich die Häuser in drei Grundtypen, die sich im Grundriss, in der Ausstattung und der Fassadengestaltung voneinander abgrenzten. Die Innenausstattung wurde in hellen Farben gehalten, Möbelentwürfe namhafter Bauhaus-Designer wie Marcel Breuer dienten als mögliche Einrichtungsideen – blieben jedoch aufgrund der Kostenvorgaben größtenteils unumgesetzt. Im Laufe der Zeit wurden viele Gebäude aufgrund veränderter Wohnbedürfnisse und baulicher Mängel umgebaut. Dazu zählten unter anderem zusätzliche Außenwände, kleinere Fenster, Dachüberstände sowie technische Modernisierungen. Dennoch blieb der Charakter der Siedlung erhalten.
Seit 1977 ist die Siedlung unter Denkmalschutz gestellt. In den 1990er Jahren wurden Teile der Siedlung restauriert, um den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen. Heute können einige Gebäude, darunter das Anton-Haus und das Haus Mittelring 38, auf geführten Touren besichtigt werden. In der Konsum-Gebäudeanlage von Walter Gropius informiert eine Dauerausstellung über die Geschichte, die Idee und die Bewohner der Siedlung. Die Ausstellung wird von der Freunde des Bauhauses-Vereinigung getragen.
Die Siedlung Törten steht für die Verbindung von Architektur, sozialem Gedanken und moderner Baukunst. Sie dokumentiert die Bestrebungen des Bauhauses, preiswerten und zeitgemäßen Wohnraum zu schaffen. Obwohl sich die Lebensumstände seit der Entstehungszeit stark verändert haben, bleibt die Siedlung ein wichtiger Bezugspunkt für die Geschichte des modernen Wohnens und ein markantes Zeugnis der Bauhaus-Idee in Dessau.