Lügenmuseum
Highlights
- Das Lügenmuseum in Radebeul ist ein privates Gesamtkunstwerk und Museum für zeitgenössische Kunst, gegründet 1990 von Reinhard Zabka.
- Seit 2012 befindet sich das Museum im ehemaligen Gasthof Serkowitz, einem über 700 Jahre alten, denkmalgeschützten Gebäude.
Tipps
- Besuchern wird empfohlen, genügend Zeit einzuplanen, da das Museum über 16 thematisch gestaltete Räume mit kunstvollen Installationen und Objekten bietet.
- Das Museum ist von Schließung bedroht, daher sollte man den Besuch nicht zu lange hinauszögern, um dieses kulturelle Kleinod noch erleben zu können.
- Der Eintritt lohnt sich besonders für Kunstinteressierte, die skurrile und originelle Werke in einem ungewöhnlichen Ambiente erleben möchten.
Eigenschaften
Über Lügenmuseum
Das Lügenmuseum in Radebeul, Kreis Meißen im Bundesland Sachsen, ist ein außergewöhnlicher Ort an der Schnittstelle von Kunst, Kultur und gesellschaftlichem Diskurs. Gegründet im Jahr 1990 als privates Gesamtkunstwerk, zählt es heute zu den originellsten und zugleich umstrittensten Kulturinstitutionen der Region. Es befindet sich im ehemaligen Gasthof Serkowitz, einem über 700 Jahre alten, denkmalgeschützten Gebäude, das bis 2026 von der Stadt Radebeul zur Verfügung gestellt wurde. Das Museum versteht sich nicht als klassische Sammlung, sondern als fiktionales, interaktives Gesamtkunstwerk, das Besucher:innen zum Schmunzeln, Nachdenken und Mitmachen einlädt.
Thematisch bewegt sich das Lügenmuseum in einer Welt, in der nichts ganz stimmt, aber alles zum Lächeln anregt. Mit insgesamt 16 gestalteten Räumen präsentiert es eine Mischung aus zeitgenössischer Kunst, romantischer Ironie, historischen Raritäten und politischer Bildung. Die Ausstellungsformate reichen von Lichtinstallationen über kinetische Objekte bis hin zu sorgsam inszenierten Alltagsräumen. Besondere Bedeutung kommt dabei fiktiven Figuren wie „Emma von Hohenbüssow“ und „Richard von Gigantikow“ zu – künstlerische Alter Egos, die die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit bewusst verwischen. Diese spielerische Auseinandersetzung mit Wahrheit, Erinnerung und gesellschaftlichen Konstrukten zieht sich durch das gesamte Museum.
Das Konzept des Lügenmuseums verbindet Elemente eines Kunstmuseums, eines Heimatmuseums und eines Künstlerhauses mit offenen Ateliers und soziokulturellen Räumen. Die künstlerische Praxis ist geprägt von Strömungen wie Dada und Fluxus und verfolgt einen erweiterten Kunstbegriff. Die Besucher:innen werden aktiv in die Erlebniswelt eingebunden – etwa durch interaktive Installationen oder klangvolle Räume. Nachhaltigkeit und ressourcenschonende Praxis sind ebenso Teil des Museumsansatzes wie die Zusammenarbeit mit lokalen Akteur:innen. Neben den Ausstellungen finden regelmäßig Workshops, Performances und Bildungsangebote statt, die das Museum zu einem lebendigen Ort der partizipativen Kultur machen.
Seit Jahren wird das Lügenmuseum von einem gemeinnützigen Verein getragen und durch einen engagierten Freundeskreis unterstützt. Doch trotz seiner kulturellen Relevanz und vieler positiver Resonanz aus der Besucher:innenschaft und Fachwelt steht der zukünftige Fortbestand des Museums aufgrund von Immobilienstreitigkeiten auf schwankendem Boden. Die Stadt Radebeul kündigte das Nutzungsverhältnis und plant den Verkauf des Gebäudes, das als sanierungsbedürftig gilt. Die Räumung des Gebäudes wurde im Jahr 2026 rechtskräftig bestätigt, was viele als kulturellen Verlust empfinden. Kulturwissenschaftler:innen und Besucher:innen sehen im Lügenmuseum eine moderne Form der Wunderkammer und einen unverzichtbaren Teil der unabhängigen Kulturlandschaft Sachsens.