Oertelsbruch
Highlights
- Oertelsbruch ist Teil des Thüringischen Schieferparks Lehesten, einem ehemaligen Schiefertagebau mit technischem Denkmalwert.
- Der Schieferabbau im Oertelsbruch begann im 13. Jahrhundert und endete 1999, danach entstand ein Naturschutzgebiet.
- Heute beherbergt das Areal unter anderem ein Seminarzentrum und zeigt historische Bergbautechnik sowie einen tiefen See.
Tipps
- Das Oertelsgrab ist zentral auf dem Friedhof und gut beschildert.
- Der Schieferpark bietet Einblicke in die Bergbaugeschichte bis 1999.
- Ehemalige Schieferbrüche sind heute Teil des technischen Denkmals.
Eigenschaften
Über Oertelsbruch
Der Oertelsbruch in Lehesten ist ein ehemaliger Schieferbruch und zählt heute zu den bedeutenden Kultur- und Naturdenkmälern im thüringischen Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. Als Teil des Thüringischen Schieferparks Lehesten repräsentiert er die einst florierende Schieferindustrie der Region, die über Jahrhunderte hinweg geprägt war von intensivem Bergbau und industrieller Nutzung. Die Abmessungen des Oertelsbruchs sind beachtlich: Er erstreckt sich über eine Länge von rund 800 Metern, eine Breite von etwa 300 Metern und eine Tiefe von bis zu 80 Metern, was ihn zu einem der größten ehemaligen Schieferbrüche des europäischen Festlandes zählt.
Im Oertelsbruch wurde über Jahrhunderte Schiefer abgebaut, der sowohl für Dach- und Wandschiefer als auch für die Herstellung von Schiefertafeln verwendet wurde. Die Gewinnung begann bereits im Mittelalter und erreichte ihre Blütezeit im 19. Jahrhundert, als Hunderte von Arbeitern in den Brüchen und unter Tage tätig waren. Der Transport des geförderten Schiefers erfolgte ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts über eine eigene Bahnstrecke. Nach Beendigung des Abbaus im Jahr 1999 wurde das Gelände schrittweise zu einem Technischen Denkmal umgewandelt und ist heute integraler Bestandteil des Thüringischen Schieferparks.
Heute dient der Oertelsbruch als Zeugnis der industriellen Geschichte der Region und ist ein Ort der Erinnerung sowie der naturkundlichen Bildung. Innerhalb des Bruchs finden sich zahlreiche erhaltene Industriebauten und Anlagen, die Einblicke in die Arbeitswelt vergangener Jahrhunderte gewähren. Neben Führungen durch ehemalige Bergleute können Besucher historische Verfahren des Schieferabbaus und der Schieferspaltung erleben. Der ehemalige Bruch ist zudem Teil eines Naturschutzgebietes und beherbergt verschiedene geschützte Tier- und Pflanzenarten. Ein tiefer See im ehemaligen Tagebau sowie die natürliche Wildnis des Geländes verleihen dem Ort heute eine ganz eigene Atmosphäre.
Der Oertelsbruch beinhaltet auch eine sakrale Dimension: In unmittelbarer Nähe befindet sich der Grabstein von Paul Oertel, einem der bedeutenden Persönlichkeiten des Schieferabbaus. Der Friedhof, auf dem das Oertel’sche Grab liegt, wird von Besuchern als gepflegt und übersichtlich wahrgenommen. Die Grabstelle ist zentral im kleinen Friedhof angelegt und durch den Einsatz von Schieferplatten in systematischer Anordnung gekennzeichnet. Diese Platten stammen aus dem Bruch selbst und verdeutlichen den engen Bezug zwischen der Person und dem Ort ihrer Lebens- und Arbeitswelt.
Als historischer Schieferbruch und sakraler Ort verbindet der Oertelsbruch auf eindrucksvolle Weise technische, kulturelle und naturkundliche Aspekte. Seine Bedeutung reicht weit über die lokale Geschichte hinaus und macht ihn zu einem lohnenden Ziel für Interessierte der Bergbaukultur, Technikgeschichte und regionalen Erinnerungsorte im thüringischen Schieferland.