Kirche/Kloster

St. Johannes Baptist

Kirchpl. 1, 88348 Bad Saulgau

Highlights

  • Die Stadtpfarrkirche St. Johannes Baptist in Bad Saulgau entstand um 1400 als gotischer Neubau mit romanischen Resten aus dem 13. Jahrhundert.
  • 1867–1894 wurde die Kirche neugotisch umgestaltet; originale gotische Fenster und Barockausstattung (u.a. von Laiber) gingen verloren.
  • 1956/57 entfernte man die neugotische Ausstattung – heute prägt ein flacher Oberschwaben-Stil die Kirche.

Tipps

  • Der barrierefreie Zugang über eine Rampe ermöglicht Besuchern mit eingeschränkter Mobilität den Eintritt in den Kirchenraum.
  • Die historische Architektur vereint romanische Elemente wie den unteren Turmteil mit gotischen Merkmalen aus dem 14. Jahrhundert.
  • Im Inneren finden sich barocke Kunstwerke wie die Plastik des Heiligen Josef oder eine Rokokomonstranz aus Augsburger Herstellung.

Eigenschaften

Entspannt Kulturell Ganzjährig

Kirchenbesuch St. Johannes Baptist Bad Saulgau – Sakrale Kultur entdecken

Die St. Johannes Baptist in Bad Saulgau ist eine der bedeutendsten sakralen Bauwerke der Region und vereint über acht Jahrhunderte Architekturgeschichte unter einem Dach. Die ältesten Teile der Kirche stammen aus dem ausgehenden 13. Jahrhundert, als bereits eine romanische Vorläuferbausubstanz entstand – erkennbar an den erhaltenen unteren Abschnitten des Kirchturms und den angrenzenden Chorwänden. Diese Fundamente zeugen von einer frühen christlichen Präsenz, die bis ins 9. Jahrhundert zurückreicht, als Kaiser Ludwig der Fromme den Bau vermutlich initiierte. 819 wurde die Kirche zudem dem Kloster Buchau unterstellt, was ihre historische Bedeutung für die Region unterstreicht.

Der heutige gotische Kirchenbau entstand im ausgehenden 14. Jahrhundert, als die Kirche um 1400 grundlegend erweitert und in ihrer heutigen Form gestaltet wurde. Besonders prägend war die Altarweihe im neu errichteten Chor, der mit seiner Architektur die gotische Epoche einleitete. Doch die Geschichte der St. Johannes Baptist war nicht frei von Umbrüchen: Im 18. Jahrhundert erfolgte eine weitreichende Barockisierung des Innenraums, die bis 1764 andauerte. Noch heute sind Spuren dieser Epoche erhalten – etwa die Plastik des heiligen Josef mit einem Putto von Josef Laiber (1738–1821) im linken Seitenschiff oder eine Rokokomonstranz aus Augsburger Werkstätten. Auch Barockkelche und ein silbernes Kredenzkreuz mit Leuchtern zeugen von dieser prächtigen Ausstattung.

Im 19. Jahrhundert prägte der Historismus die Kirche erneut: Zwischen 1867 und 1894 wurde sie neugotisch umgestaltet, wobei die barocke Ausstattung entfernt und durch fünf neue Altäre aus der Saulgauer Altarfabrik Mayer ersetzt wurde. Dazu gehörten der Hochaltar sowie Seitenaltäre an Chorbogen und Seitenschiffen. Die gotischen Fenster aus dem 14. Jahrhundert, die einst den Chor schmückten, wurden 1868 an die fürstlichen Sammlungen in Sigmaringen verkauft und sind heute dort in der Hauskapelle und im Museumsbau zu besichtigen. Die neugotische Phase führte zudem zur Einfügung eines Scheinrippengewölbes, das die gotische Substanz nur scheinbar wiederherstellte.

Die jüngste Umgestaltung fand 1956/57 statt, als die gesamte neugotische Ausstattung entfernt und der alte gotische Chorbogen beseitigt wurde. Diese Entscheidung folgte dem damaligen Verständnis von Kirchenraumgestaltung, das Flachdecken – wie in anderen Oberschwäbischen Kirchen etwa in Riedlingen oder Wangen – bevorzugte. Trotz dieser Veränderungen bleibt die St. Johannes Baptist ein faszinierendes Zeugnis der regionalen Kirchenbaugeschichte, das von romanischen Anfängen über gotische Pracht bis hin zu barocken und neugotischen Umgestaltungen erzählt. Mit einem Google-Rating von 4,5 Sternen ist sie zudem ein beliebter Ort für Besucher, die Architektur, Kunst und spirituelle Atmosphäre verbinden möchten.

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