Alte Sankt-Gertrud-Kirche
Highlights
- 1858 als neugotische katholische Kirche unter Kaplan Anton Kemper gegründet; 1950 von neuprotestantischer Gemeinde genutzt.
- 1865 entstand das einzig erhaltene Gertrud-Fenster nach Plänen des Breslauer Glasmalers Adolph Seiler – heute historisches Denkmal.
- Seit 2024 wird die Kirche als ‚Kulturkirche‘ revitalisiert: offener Raum für Konzerte, Ausstellungen und Bürgerprojekte im Nicolaiviertel.
Eigenschaften
Alte Sankt-Gertrud-Kirche Eisleben – Kulturdenkmal
Die Alte Sankt-Gertrud-Kirche in Eisleben ist ein bedeutendes historisches Bauwerk mit einer bewegten Geschichte und einem besonderen kulturellen Erbe. Ursprünglich als katholische Kirche im neugotischen Stil errichtet, wurde sie 1858 mit Zustimmung des Paderborner Bistums gegründet und unter der Leitung von Kaplan Anton Kemper als Missionsgemeinde im Gasthaus „Zum seidenen Beutel“ vorerst als Kapelle genutzt. Der Architekt des Gebäudes ist nicht vollständig überliefert, doch es wird vermutet, dass er profane und sakrale Bauten im neugotischen Stil plante.
Über Jahrzehnte hinweg diente die Kirche verschiedenen Gemeinden, darunter die neuapostolische Gemeinde in den 1950er Jahren. Doch mit der Zeit geriet das Gebäude zunehmend in Vergessenheit. Erst seit den 2010er Jahren engagiert sich der Mansfelder Geschichts- und Heimatverein sowie ein lokaler Bürgerinitiativkreis dafür, das Denkmal zu erhalten und als lebendigen Ort für die Gemeinschaft zu revitalisieren. Ein zentrales Projekt ist die Umwandlung der Kirche in eine „Kulturkirche“, die Konzerte, Ausstellungen, Feste und Nachbarschaftsangebote beherbergen soll.
Ein besonderes Juwel der Sankt-Gertrud-Kirche ist das Gertrud-Fenster, das 1865 von dem Glasmaler Adolph Seiler aus Breslau geschaffen wurde. Eine archivische Spurensuche im katholischen Pfarrarchiv förderte 2025 neue Erkenntnisse zutage: Das Fenster war ursprünglich eines von mehreren geplanten, doch nur dieses wurde realisiert. Ein altes Foto und Briefe Seilers belegen dessen historische Bedeutung – ein Zeugnis der handwerklichen Kunst des 19. Jahrhunderts, das heute wieder im Fokus steht.
Die Initiative „Altes Denkmal – NEUE Heimat“ verbindet den Erhalt des Gebäudes mit partizipativen Ideen: Bürger und Vereine können sich durch Spenden, Patenschaften für historische Bodenfliesen oder aktive Mitarbeit einbringen. Der Verein zeigt damit, wie Denkmalschutz und lebendige Kultur Hand in Hand gehen können. Bei Veranstaltungen wie dem Tag des offenen Denkmals oder dem 30-jährigen Jubiläum der „Töchter der Stadt“ wurde das Engagement bereits mit großer Resonanz gewürdigt – mit über 800 Gästen, die das Vorhaben unterstützten.
Die Alte Sankt-Gertrud-Kirche steht damit nicht nur als Zeugnis der regionalen Kirchengeschichte, sondern auch als Symbol für die Wiederbelebung von Kultur und Gemeinschaft in Eisleben. Ihr neugotischer Charme, die historischen Fenster und das ehrenamtliche Engagement machen sie zu einem einzigartigen Ort im Nicolaiviertel – ein Projekt, das zeigt, wie Denkmäler neue Impulse für die Stadt geben können.