Museum

Müllner-Peter von Sachrang Museum

Müllner-Peter-Weg 3, 83080 Aschau im Chiemgau

Highlights

  • Das Museum zeigt ein handschriftliches Rezeptbuch des Müllners Peter (um 1800) mit tiroler Mundart und medizinischen Notizen aus dem 18. Jh.
  • Ausgestellt ist das Österreichische Arzneibuch von 1795 sowie historische Heilmittel wie Antimonbutter und Fingerwurm-Kuren.
  • Eine Sonderausstellung beleuchtet Heilwissen aus Bayern, Tirol und der Schweiz um 1800 – basierend auf dem Flohmarkt-Fund des Schreibbuchs.

Tipps

  • Der barrierefreie Zugang ermöglicht Besuchern mit eingeschränkter Mobilität einen ungehinderten Eintritt ins Museum.
  • Die Sonderausstellung ‚Spui ma zam‘ zeigt historische Spieltraditionen und lädt zum Nachdenken über gegenwärtige Freizeitverhalten ein.
  • Die handschriftliche Rezeptsammlung aus dem 18. Jahrhundert bietet Einblicke in traditionelles Heilwissen und regionale Mundart.

Eigenschaften

Bei Regen geeignet Bildung Kulturell Ganzjährig

Museum Aschau im Chiemgau: Müllner-Peter von Sachrang

Das Müllner-Peter-von-Sachrang-Museum in Aschau im Chiemgau ist ein faszinierendes kulturhistorisches Museum, das die Lebenswelt und das Wissen eines ungewöhnlichen Zeitgenossen bewahrt. Im Mittelpunkt steht der „Müllner Peter“, ein Mann aus einer Epoche des Wandels, als sich Barock und Rokoko allmählich auflösten und neue Impulse aus Frankreich die Kultur prägten. Sein handschriftliches Schreibbuch – zufällig auf einem Flohmarkt wiederentdeckt – offenbart ein einzigartiges Erbe: eine umfangreiche Rezeptsammlung in tirolerisch gefärbter Mundart, verfasst teils von ihm selbst, teils von unbekannten Zeitgenossen. Neben den Rezepten findet sich darin auch das Österreichische Arzneibuch von 1795, ein Dokument der damaligen Heilkunde, das Einblicke in die Arzneimittel und Krankheitsvorstellungen der Zeit gewährt.

Die Ausstellung widmet sich nicht nur der medizinischen Tradition, sondern auch der lebendigen Alltagskultur des 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Ein besonderer Fokus liegt auf der Verbindung von Volksheilwissen und pharmazeutischem Fachwissen – eine Brücke zwischen bäuerlicher Praxis und professioneller Medizin. Die Präsentation des Schreibbuchs wurde mit großer Sorgfalt ediert, um die historische Handschrift lesbar zu machen und sie mit Kommentaren zu versehen. So entsteht ein lebendiges Bild von Krankheiten, Heilmethoden und dem sprachlichen Erbe der Region, das bis heute nachwirkt. Besonders spannend sind die Reizwörter, die in Vitrinen ausgestellt werden und Neugier wecken: Sie werfen Fragen auf über die Sprache, die Alltagsmedizin und die kulturellen Schichten der Zeit.

Ein zentrales Anliegen des Museums ist es, das traditionelle Wissen wiederzubeleben und die Bedeutung historischer Rezepturen für die Gegenwart zu zeigen. Der Apotheker und Pharmaziehistoriker Günter Fleischmann betont, wie sehr die alten Texte auch heute noch Relevanz haben – etwa für das Verständnis von Krankheitsnamen oder die Entwicklung moderner Heilmittel. Die Ausstellung verbindet damit auch aktuelle Debatten, etwa in der Sonderpräsentation „Spui ma zam“, die zum gemeinsamen Spielen und Austausch einlädt, als Gegenentwurf zur digitalen Einsamkeit. Ein Symposium zum Thema Heilwissen und Rezeptsammlungen aus Bayern, Tirol und der Schweiz unterstreicht zudem die regionale Vernetzung und den Austausch zwischen den Nachbarregionen.

Wer das Museum besucht, taucht in eine Welt ein, in der Wissen nicht nur in Apotheken, sondern auch in Bauernhäusern und Almen weitergegeben wurde. Das Schreibbuch des Müllner Peter ist dabei nur ein Beispiel für solche vergessenen Schätze – ein Beweis dafür, dass in alten Notizen oft mehr steckt als zunächst sichtbar. Die Ausstellung lädt dazu ein, die Vergangenheit nicht nur zu studieren, sondern auch zu erleben: als Spiegel der eigenen Geschichte und als Inspiration für den Umgang mit Heilkunde und Kultur heute.

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