Kirche/Kloster

Aloysius-Kapelle

Louisenbergstrasse 14, 78221 Salenstein

Highlights

  • Die Aloysius-Kapelle in Salenstein (ursprünglich Nikolauskapelle) wurde 1155 erstmals urkundlich erwähnt und gehörte ursprünglich dem Kloster Reichenau.
  • Der Dachreiter mit Spitzhelm (1602) und romanische Feldsteinmauern (13. Jh.) prägen das Äußere, während gotische Wandmalereien (u. a. Passionsszenen) das Innere zieren.
  • Nach Umnutzungen als Spritzenhaus und Pulvermagazin wurde die Kapelle 1957 restauriert und steht unter Heimatschutz; 1993–95 erfolgte eine weitere umfassende Sanierung.

Tipps

  • Die romanischen Feldsteine der Längswand zeigen noch originale Bauformen aus dem 13. Jahrhundert und verleihen dem Gebäude seinen historischen Charakter.
  • Im Inneren der Kapelle sind mittelalterliche Wandmalereien aus verschiedenen Epochen erhalten, darunter romanische und hochgotische Reste mit religiösen Szenen und Heiligenpaaren.
  • Das Sakramentshäuschen im Chor zählt zu den bedeutendsten spätgotischen Kleinarchitekturen der Region und stammt vermutlich aus dem 15. Jahrhundert.

Eigenschaften

Entspannt Kulturell Ganzjährig

Aloysius-Kapelle Salenstein: Sakrale Kultur erleben

Die Aloysius-Kapelle in Salenstein ist ein historisches Sakralbauwerk mit einer bewegten Vergangenheit und beeindruckenden künstlerischen Schätzen. Erste urkundliche Erwähnungen stammen aus dem Jahr 1155, als die Kapelle dem Kloster Reichenau unterstand. Nach der Reformation verlor sie ihre ursprüngliche Funktion als Gotteshaus und diente zeitweise als Zeitglockengebäude. Erst 1957 wurde sie restauriert und unter Heimatschutz gestellt, nachdem sie zuvor sogar als Spritzenhaus und Pulvermagazin genutzt worden war.

Das äußere Erscheinungsbild der Kapelle vereint romanische und gotische Elemente. Die strassenseitige Längswand zeigt romanische Feldsteinmauern aus dem 13. Jahrhundert, während der polygonale Chor mit seinen Spitzbogenfenstern und schlichtem Masswerk auf eine Erneuerung nach dem Schwabenkrieg hinweist. Ein Wahrzeichen des Ortes ist der 1602 errichtete Dachreiter mit seinem markanten Spitzhelm, der auf eine frühere Turmstruktur schließen lässt. Die romanische Anlage war ursprünglich ohne fest eingebauten Altar geschlossen, was ihre ursprüngliche Nutzung als einfaches Gebetshaus unterstreicht.

Im Inneren beeindrucken vor allem die mittelalterlichen Wandmalereien, die bei der letzten Restaurierung 2017 wiederentdeckt wurden. Reste einer romanischen Darstellung kamen in einem zugemauerten Fenster der Nordwand zum Vorschein, während hochgotische Malereien mit stilisierten Akanthusbordüren und Szenen wie der Geißelung oder Dornenkrönung erhalten sind. Besonders bemerkenswert ist ein Zyklus von Heiligenpaaren, darunter Georg und Margareta, Konrad und Nikolaus sowie Johannes Baptist und Barbara, die von Ranken umgeben sind. Die Malereien zeigen eine meisterhafte, schwungvolle Ausführung, die trotz gotischer Tradition eine lebendige Dynamik ausstrahlt.

Ein weiteres Juwel der Kapelle ist das spätgotische Sakramentshäuschen im Chor, das um 1474 datiert wird. Es gilt als herausragendes Beispiel spätgotischer Kleinarchitektur und unterstreicht den künstlerischen Wert des Bauwerks. Nach einer Renovierung 1695 erhielt die Kapelle eine barocke Decke und einen Hochaltar, der später durch ein Stück aus der Kirche Ermatingen ersetzt wurde. Heute ist die Kapelle nicht nur ein geschütztes Kulturdenkmal, sondern wird auch regelmäßig für Gottesdienste genutzt – gemäß einem Schenkungsvertrag der Königin Hortense.

Die Aloysius-Kapelle ist damit ein lebendiges Zeugnis der regionalen Geschichte, das von der Romanik über die Gotik bis zur Barockzeit reicht. Trotz ihrer wechselvollen Nutzung bleibt sie ein bedeutender Ort der Andacht und ein architektonisches Juwel im Thurgau, das Besucher mit seiner historischen Tiefe und künstlerischen Qualität fasziniert.

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