ehem. Klostergebäude
Tipps
- Die Grabplatte des Chorherren Philipp Scriba aus dem Jahr 1620 ist neben der Sakristeitür zu sehen und zeugt von der historischen Bedeutung des Ortes.
- Bei Interesse an Architektur sollte das Gebäude von außen betrachtet werden, um die Spätrenaissance-Züge und den wuchtigen Turm zu erkennen.
Eigenschaften
Über ehem. Klostergebäude
Das ehemalige Klostergebäude in Öhningen zählt zu den bedeutenden sakralen Kulturdenkmälern des Landkreises Konstanz in Baden-Württemberg. Es ist untrennbar mit der Stiftskirche St. Hippolyt und Verena verbunden, die als Saalkirche aus der Übergangszeit zwischen Renaissance und Barock errichtet wurde. Die Kirche bildet den nördlichen Teil des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstifts Öhningen, dessen Geschichte bis ins Mittelalter zurückreicht. Die heutige Bausubstanz entstand im frühen 17. Jahrhundert, nachdem die Vorgängerbauten baufällig geworden waren.
Die Stiftskirche beherbergt eine reichhaltige Ausstattung, die barocke Kunst und spätrenaissancistische Elemente vereint. Dazu gehören mehrere prachtvolle Altäre, darunter der Hochaltar mit Werken des Bildhauers Hans Schenck und Gemälden des Augsburger Malers Johann Georg Melchior Schmidtner. Die barocke Gestaltung des Innenraums wurde im Laufe mehrerer Jahrhunderte weiterentwickelt, wobei die beiden Seitenaltäre – der Marienaltar und der Sebastiansaltar – vermutlich im frühen 18. Jahrhundert entstanden. Beide zeigen eine stilistische Ausgereiftheit im Vergleich zum älteren Hochaltar und sind mit religiösen Darstellungen und Figuren der sogenannten Nothelfer geschmückt.
Das ehemalige Klosterensemble umfasste neben der Kirche weitere Bauten, darunter die Totenbruderschaftskapelle und die Friedhofskirche St. Jakobus, die ebenfalls unter dem Einfluss des Konstanzer Fürstbischofs Jakob Fugger von Kirchberg entstanden. Die Kirche selbst war ursprünglich in zwei getrennte Gottesdiensträume unterteilt: ein Chor für die Augustiner-Chorherren und ein Langhaus für das Kirchenvolk. Diese räumliche Trennung wurde im Zuge späterer Umbauten durch einen Rundbogen und einen zentralen Zelebrationsaltar überwunden.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Gebäude mehrfach renoviert und umgebaut. So stürzte der Turm kurz nach der geplanten Weihe im Jahr 1618 ein und musste später wieder aufgebaut werden. In der modernen Zeit erfolgten umfangreiche Innen- und Außenrenovierungen, zuletzt in den 1970er und 1980er Jahren. Dabei wurden unter anderem Grabplatten aus früheren Jahrhunderten freigelegt und restauriert. Die Sakristei beherbergt heute wertvolle Sakralgegenstände, darunter ein Kruzifix aus dem 18. Jahrhundert.
Das ehemalige Klostergebäude steht als Zeugnis kirchlicher und künstlerischer Entwicklung im südbadischen Raum. Es verkörpert die religiöse Tradition der Region und belegt den kulturellen Reichtum, der im Zuge fürstbischöflicher Förderung und bruderschaftlicher Vereinigungen entstand. Die Kirche bleibt ein Ort von hoher historischer und kunsthistorischer Bedeutung im Landkreis Konstanz.