Stadtmuseum Eschwege
Highlights
- Das Stadtmuseum Eschwege zeigt seit 1913 regionale Geschichte: von Eschweges Gründung vor 1.000 Jahren bis zu Handwerk wie Tuchmacherei und Judaica-Objekten aus der jüdischen Gemeinde.
- Besonderheit: Ein Fotoatelier aus dem 19. Jh. mit Deutschlands ältesten Kameras und historische Exponate wie ‚Hessens größten Schuh‘ oder Uniformen des Lützower Jägers.
- Aktuell prüft das Museum 68 Objekte auf NS-verfolgungsbedingte Herkunft – darunter Gemälde, Judaica und Bücher – im Rahmen eines bundesweiten Provenienzforschungsprojekts.
Tipps
- Der historische Tabaklagerbau des Museums bietet einen authentischen Einblick in die Architektur und Atmosphäre des frühen 20. Jahrhunderts.
- Die Dauerausstellung zeigt Exponate zur regionalen Geschichte, darunter archäologische Funde, Handwerkskunst wie Tuchmacherei und historische Uniformen aus Eschweges Vergangenheit.
- Ein Schwerpunkt der Präsentation liegt auf der Aufarbeitung der Wohnungslosenhilfe sowie der Geschichte der jüdischen Gemeinde und kirchlichen Kultur in der Region.
Eigenschaften
Kultur-Ausflug ins Stadtmuseum Eschwege
Das Stadtmuseum Eschwege lädt Besucher:innen in ein faszinierendes Stück regionaler Geschichte ein – eingebettet in das historische Ambiente eines ehemaligen Tabaklagerhauses. Seit seiner Gründung 1913 auf Initiative des Eschweger Geschichtsvereins bietet das Museum einen tiefen Einblick in die Entwicklung der Stadt und ihrer Bewohner:innen. Besonders beeindruckend ist die Dauerausstellung, die von den Anfängen Eschweges vor über 1.000 Jahren bis in die Gegenwart führt. Hier werden archäologische Funde, historische Handwerkskunst wie Lohgerberei oder Tuchmacherei sowie Alltagsgegenstände ausgestellt – darunter „Hessens größter Schuh“ oder eine Uniformjacke des berühmten „Lützower Jägers“ Jacob Christoph Heinemann.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Aufarbeitung oft vergessener Kapitel, etwa der Geschichte der jüdischen Gemeinde in Eschwege. Die Sammlung umfasst Judaica-Objekte, die seit den 1990er-Jahren erworben wurden, um das kulturelle Erbe der einst blühenden Gemeinde sichtbar zu machen. Zudem widmet sich das Museum der Wohnungslosenhilfe und zeigt eine Ausstellung der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe, die gesellschaftliches Bewusstsein für dieses Thema stärken soll. Ergänzt wird das Programm durch thematische Führungen, darunter eine kostümierte Zeitreise mit historischen Figuren wie Kaiserin Theophanu oder Äbtissin Sophia.
Ein aktuelles Projekt des Museums ist die Provenienzforschung, die gemeinsam mit den Stadtmuseen Bad Wildungen durchgeführt wird. Im Rahmen eines vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderten Vorhabens werden 68 Objekte auf mögliche NS-verfolgungsbedingte Entzüge untersucht – darunter Gemälde, Lithografien und Bücher. Die sorgfältige Aufarbeitung dieser Sammlungsbestände unterstreicht die Verantwortung des Museums gegenüber kulturellem Erbe und fördert die Zusammenarbeit mit Archiven und Fachstellen. Die Ergebnisse fließen direkt in die Ausstellungspraxis ein und machen die Biografien hinter den Objekten transparent.
Das Stadtmuseum Eschwege bleibt damit nicht nur ein Ort der historischen Bildung, sondern auch ein lebendiger Diskursraum. Aktuell präsentiert es unter anderem die Sonderausstellung „Interventionen im Stadtmuseum“ mit Werken der Kasseler Bildhauerin Ruth Lahrmann, die mit ihren Skulpturen neue Perspektiven auf die Dauerausstellung eröffnet. Zudem zeigt die Wanderausstellung „Langemarckstraße“ aktuelle Forschungsergebnisse zur regionalen Geschichte. Mit einem hohen Anspruch an wissenschaftliche Aufarbeitung und öffentlicher Teilhabe bleibt das Museum ein zentraler Anlaufpunkt für Kulturinteressierte in Eschwege und darüber hinaus.