Standort ehem. "Burg Lindenhorst"
Highlights
- Die Burg Lindenhorst in Eving war eine Nebenlinie der Grafen von Dortmund, erstmals 1236 urkundlich erwähnt und bis 1806 als Grafschaft bestehen.
- 1343 verkaufte Graf Konrad V. die Hälfte der Burg an Dortmund; bis 1815 blieb das Gebiet unter Dortmunder bzw. preußischer Herrschaft.
- Die Anlage diente als Machtzentrum der Grafen von Lindenhorst, deren Ursprünge auf Ministeriale im 12.–13. Jahrhundert zurückgehen.
Tipps
- Auf dem Gelände lassen sich archäologische Spuren der historischen Bebauung und Strukturen erkennen, die auf die Nutzung als Burg und später als Verwaltungssitz hindeuten.
- Die Lage in Eving ermöglicht einen Vergleich zwischen der ehemaligen Burg und der späteren industriellen Entwicklung des Ruhrgebiets, die ab dem 19. Jahrhundert prägend wurde.
Eigenschaften
Kulturdenkmal Burg Lindenhorst Eving
Der ehemalige Burgstandort Lindenhorst in Eving gehört zu den historisch bedeutsamen, aber heute nur noch schwer nachvollziehbaren Spuren der mittelalterlichen Grafschaftsgeschichte im Raum Dortmund. Die Burg war eng mit der Grafschaft Dortmund verbunden, die im 12. und 13. Jahrhundert ein eigenständiges Reichslehen darstellte. Erste urkundliche Erwähnungen der Grafen von Dortmund reichen bis ins Jahr 1236 zurück, wobei Graf Albertus bereits 1189 als „comes Tremoniensis“ (Graf von Dortmund) in einer Urkunde des Kölner Erzbischofs Philipp von Heinsberg genannt wird. Die Burg selbst war Teil eines komplexen Herrschaftsgefüges, das neben weltlichen Rechten wie Münz-, Zoll- und Gruitgerechtsamen auch Gerichtsbarkeit umfasste.
Die Grafen von Dortmund, deren Linie im 14. Jahrhundert ausstarb, hatten bereits seit dem 13. Jahrhundert Konflikte um die Nachfolge ihres Reichslehens. Die Nebenlinie Lindenhorst entstand als Abspaltung und wurde im Jahr 1343 durch Graf Konrad V. von Dortmund an die Stadt Dortmund verkauft – ein entscheidender Schritt, der die Grafschaft unter Dortmunder Herrschaft stellte. Bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches 1806 blieb Lindenhorst damit ein Teil des Dortmunder Territoriums, bevor das Gebiet 1815 an Preußen fiel. Die genaue Lage der Burg ist heute nicht mehr eindeutig rekonstruierbar, doch die historischen Aufzeichnungen belegen, dass sie im 16. Jahrhundert eine Ausdehnung von etwa 5 bis 7 Kilometern Breite und 13,5 Kilometern Länge umfasste – ein Hinweis auf ihre strategische Bedeutung als Grenz- und Verwaltungszentrum.
Die Burg Lindenhorst war eng mit der Entwicklung der Region verbunden, die seit dem Frühmittelalter als Schnittstelle zwischen sächsischen Siedlungen und karolingischer Herrschaft fungierte. Archäologische Funde in Nachbarorten wie Wickede oder Asseln deuten auf mittelalterliche Friedhöfe hin, die auf eine frühe Besiedlung des Gebietes verweisen. Während die Dortmunder Innenstadt mit der Reinoldikirche und der St.-Martins-Kapelle als älteste Sakralbauten der Region gilt, bleibt der genaue Standort von Lindenhorst spekulativ. Die Burg könnte ursprünglich als karolingische Anlage entstanden sein, ähnlich der in Dortmund nachgewiesenen quadratischen Befestigung, die später zu einem Wohnsitz für die Grafen umgestaltet wurde.
Die Geschichte Lindenhorsts spiegelt die politischen Umbrüche der Region wider: Von der Verpfändung an die Grafen von der Mark im 14. Jahrhundert über die Teilung der Regalien zwischen dem Erzbistum Köln und der Stadt Dortmund bis hin zur Integration in das preußische Staatsgebiet. Obwohl die Burg selbst nicht mehr erhalten ist, bleibt ihr Erbe in den historischen Dokumenten und der Topografie Eving nachweisbar. Als Teil der ehemaligen Grafschaft Dortmund verkörpert sie die Verbindung zwischen lokaler Adelsgeschichte und der Entwicklung der westfälischen Hansestädte – ein Zeugnis einer Epoche, in der Macht und Territorien eng mit Burgen und Gerichtsbarkeit verknüpft waren.
Heute ist der Standort ein historisches Gedächtnis, das vor allem durch schriftliche Überlieferungen und archäologische Hinweise in der Umgebung greifbar wird. Wer sich für die mittelalterliche Geschichte Dortmunds und seiner Vororte interessiert, findet hier Spuren einer Zeit, in der Lindenhorst als festes Zentrum der Grafschaftsherrschaft diente. Die Verbindung zu Nachbarorten wie Dortmund selbst unterstreicht zudem die regionale Bedeutung dieser Anlage im Gefüge der westfälischen Geschichte.