Evangelisches Gemeindehaus Plattenhardt
Highlights
- Romanische Kapelle (12. Jh.) mit 9 m langem Schiff und quadratischem Chor, später durch gotische Mauern ersetzt – heute noch Steinmetzfigur erhalten.
- Spätgotisches Silberkruzifix (15. Jh.) mit vergoldeter Inschrift ‚Jesus Christ(us)‘ und ‚Jesus-Maria‘, 1952 von Henn restauriert.
- Gotische Sakristeitür (15. Jh.) und 1530 erneuertes Renaissanceschiff prägten die heutige evangelische Kirche nach Reformation und Kriegszerstörungen.
Tipps
- Die romanische Steinmetzfigur aus dem 12. Jahrhundert stellt ein frühes Zeugnis sakraler Kunst in der Region dar und befindet sich im Innenraum der Kirche.
- Das spätgotische Kruzifix über dem Altar besteht aus vergoldetem Silber und zeigt in gotischen Buchstaben die Inschrift ‚Jesus Christ(us)‘ sowie ‚Jesus-Maria‘.
- Die Sakristeitür aus dem 15. Jahrhundert ist ein erhaltenes Beispiel gotischer Baukunst und Teil der historischen Substanz des Gemeindehauses.
Eigenschaften
Evangelisches Gemeindehaus Plattenhardt – Kultur & Sakrales in Filderstadt
Das Evangelische Gemeindehaus Plattenhardt in Filderstadt-Plattenhardt ist ein historischer Sakralort mit einer faszinierenden Vergangenheit, die bis ins Mittelalter zurückreicht. Der Ursprung des Gebäudes liegt in einer kleinen romanischen Saalkirche, die bereits im 12. Jahrhundert als bescheidener Gottesdienstort diente. Ursprünglich nur neun Meter lang und vier Meter breit, bestand sie aus einem schlichten Schiff und einem eingezogenen quadratischen Chor. Aus dieser Zeit ist eine Steinmetzfigur erhalten geblieben, die als Zeugnis der handwerklichen Kunst dieser Epoche gilt.
Im Laufe der Jahrhunderte erlebte der Ort mehrere bauliche Veränderungen. Um 1200 wurde der ursprüngliche Chor durch einen massiveren Neubau ersetzt, der auf die wachsende Bedeutung der Gemeinde hindeutet. Besonders bemerkenswert ist die erhaltene Sakristeitür aus dieser Zeit, die bis heute als stilistisches Juwel des Spätmittelalters gilt. Auch das spätgotische Kruzifix über dem Altar, das ursprünglich farbig gefasst war, stammt aus dieser Phase. Erst 1952 wurde es von Ulrich Henn von übermaltem Farbschichten befreit, sodass es heute in seiner ursprünglichen Pracht aus massivem Silber und Vergoldung erstrahlt.
Die Geschichte des Gemeindehauses ist eng mit den politischen und religiösen Umbrüchen der Region verbunden. Während der Reformation wurde 1530 das nur wenige Jahrzehnte alte gotische Kirchenschiff abgerissen und durch ein größeres Langhaus im Renaissancestil ersetzt – ein Zeichen für die neue evangelische Ausrichtung. Die älteste Glocke der Gemeinde, die sogenannte Zeichenglocke, stammt aus der katholischen Amtszeit des Pfarrers um 1504 und überdauerte bis zum Zweiten Weltkrieg, als auch sie wie andere Glocken abgeliefert werden musste. Trotz dieser Verluste bleibt die Geschichte des Ortes lebendig, etwa durch die erhaltenen Kunstwerke und die kontinuierliche Pflege des kulturellen Erbes.
Das Gemeindehaus ist heute ein Ort der Begegnung und des Glaubens, der die Spuren vergangener Epochen bewahrt. Neben seiner sakralen Funktion dient es der Gemeinde als Raum für Gottesdienste, Veranstaltungen und gemeindliche Aktivitäten. Besonders die historischen Elemente wie das restaurierte Kruzifix oder die gotische Sakristeitür machen den Ort zu einem besonderen Zeugnis der regionalen Kirchengeschichte. Wer sich für die Entwicklung des evangelischen Lebens in Filderstadt-Plattenhardt interessiert, findet hier ein Stück lebendige Tradition und handwerkliche Meisterleistung.
Das Evangelische Gemeindehaus Plattenhardt verbindet thus auf einzigartige Weise sakrale Geschichte mit gegenwärtigem Gemeindeleben. Es lädt Besucher ein, die Spuren vergangener Jahrhunderte zu entdecken und gleichzeitig die lebendige Gegenwart der evangelischen Tradition zu erleben. Als Teil des kulturellen Erbes der Region bietet es einen Einblick in die wechselvolle Geschichte eines Ortes, der seit Jahrhunderten als geistlicher Mittelpunkt diente.