Denkmal/Gedenkstätte

Das Waisen-Karussell

Kaiserstraße 33, 60329 Frankfurt am Main

Highlights

  • 1919 schuf Benno Elkan das umstrittene Kriegsdenkmal ‚Heldenklage‘ – eine trauernde Frau als Symbol für Kriegsopfer, kritisiert für Abkehr vom ‚stolzen Heldenkult‘.
  • 1946 wurde das Denkmal nach Zerstörung im Krieg originalgetreu wiedererrichtet; 2022 thematisierte eine Ausstellung des Deutschen Exilarchivs Kinderemigration aus Frankfurt.
  • Das ‚Waisen-Karussell‘ (umgangssprachlich) gilt als erstes deutsches Kriegsdenkmal mit Fokus auf Trauer statt Heldenglorie – provokant für NS-Ideologie.

Tipps

  • Das Waisen-Karussell befindet sich in der Nähe des historischen Denkmals und bietet einen Einblick in die Geschichte der Kinderemigration während der NS-Zeit.
  • Ein Besuch der Ausstellung des Deutschen Exilarchivs 1933–1945 im Deutschen Buch- und Schriftmuseum ergänzt das Thema der Kinderflucht aus Frankfurt sinnvoll.
  • Die trauernde Figur des Denkmals symbolisiert die Opfer des Ersten Weltkriegs und verdeutlicht die historische Kontroverse um Kriegsdarstellungen in Frankfurt.

Eigenschaften

Bildung Kulturell Ganzjährig

Waisen-Karussell Frankfurt: Kulturdenkmal erleben

Das Waisen-Karussell in Frankfurt am Main ist ein bewegendes Denkmal, das an die Kinder erinnert, die während der nationalsozialistischen Diktatur aus Deutschland fliehen mussten. Im Mittelpunkt steht ein Karussell mit einer traurigen, zerbrochenen Pferdedarstellung – ein Bild, das die Zerrissenheit und den Verlust der Kindheit während der NS-Zeit verdeutlicht.

Viele von ihnen fanden in Ländern wie Großbritannien, der Schweiz oder den USA eine neue Heimat, während andere den Holocaust nicht überlebten. Die Installation erinnert an diese schmerzhafte Trennung und die oft unvollendete Flucht.

Besonders berührend ist die Verbindung des Denkmals zur Geschichte Frankfurts: Die Stadt war ein zentraler Knotenpunkt der Kinderemigration, und das Karussell steht als stummer Zeuge dieser humanitären, aber auch verzweifelten Bemühungen. Die Figur der weinenden Mutter oder des gebrochenen Pferdes lädt Besucher*innen ein, sich mit den Schicksalen der Kinder auseinanderzusetzen. Seit seiner Aufstellung ist das Denkmal zu einem Ort der Erinnerung geworden, der jährlich an die Opfer des NS-Regimes erinnert.

Das Waisen-Karussell ist nicht nur ein künstlerisches Statement, sondern auch ein Teil des kulturellen Gedächtnisses Frankfurts. Es steht in der Tradition anderer Gedenkorte der Stadt, die sich mit den Folgen des Ersten und Zweiten Weltkriegs auseinandersetzen – etwa dem nahegelegenen Kriegsdenkmal der Heldenklage, das ebenfalls nach 1945 wiederhergestellt wurde. Beide Denkmäler zeigen, wie Frankfurt mit seiner Vergangenheit umgeht: durch stille Präsenz und die Pflicht, das Erinnern wachzuhalten.

Wer das Karussell besucht, wird nicht nur von der ästhetischen Kraft der Skulptur berührt, sondern auch von der historischen Last, die sie trägt. Es ist ein Ort der Reflexion über Flucht, Verlust und die Verantwortung, die eine Gesellschaft gegenüber ihren verletzlichsten Mitgliedern trägt. Das Waisen-Karussell bleibt damit ein unverzichtbarer Teil des frankfurter Denkmalschutzes – ein Mahnmal, das die Erinnerung an die Kinderemigration lebendig hält.

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