Wilhelm August Lampadius
Highlights
- Er entdeckte 1796 den Schwefelkohlenstoff und führte das erste chemisch-metallurgische Praktikumslabor an der Bergakademie Freiberg ein.
- 1811 installierte er in Freiberg die erste Gaslaterne auf dem europäischen Kontinent.
Tipps
- Besuchen Sie die Gedenktafel an der ehemaligen Ratsapotheke in Göttingen, wo Lampadius seine Ausbildung zum Apotheker begann.
- Informieren Sie sich über den Nachbau der ersten Gaslaterne auf dem Obermarkt in Freiberg, ein Zeugnis seiner Pionierleistung in der Gastechnologie.
- Sehen Sie sich die Hinweistafel an der Ecke Kirch-Gäßchen/Obermarkt in Freiberg an, die Auskunft über Lampadius’ historische Gasbeleuchtung gibt.
Eigenschaften
Über Wilhelm August Lampadius
Wilhelm August Lampadius war ein bedeutender deutscher Hüttentechniker, Chemiker und Agronom, der im 18. Jahrhundert in Hehlen im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel geboren wurde und später in Freiberg im Königreich Sachsen wirkte. Bereits in jungen Jahren zeigte er Interesse an naturwissenschaftlichen Fragestellungen. Seine Ausbildung absolvierte er ab 1785 in der Göttinger Ratsapotheke, anschließend studierte er an der Georg-August-Universität Göttingen. Zu seinen Lehrern zählten renommierte Wissenschaftler wie Johann Friedrich Gmelin und Georg Christoph Lichtenberg.
Nach einer Forschungsreise nach Russland und verschiedenen Stationen in Böhmen wurde Lampadius 1793 Professor an der Bergakademie Freiberg, wo er die Fächer Chemie und Hüttenkunde lehrte. In dieser Funktion richtete er das erste chemisch-metallurgische Praktikumslabor ein und etablierte frühzeitig Kurse in analytischer Chemie. Seine Forschungen umfassten ein breites Spektrum naturwissenschaftlicher Themen, darunter die Entdeckung des Schwefelkohlenstoffs, meteorologische Studien sowie Arbeiten zur Gewinnung von Rübenzucker und zur Herstellung künstlicher Düngemittel. Besondere Beachtung fand seine praktische Herangehensweise, bei der er Theorie und Anwendung eng miteinander verband.
Eine seiner wegweisendsten Leistungen war die Entwicklung der ersten funktionierenden Gasbeleuchtung auf dem europäischen Kontinent. Bereits im Jahr 1811 installierte er eine Gaslaterne an seinem Wohnhaus in Freiberg, die als erste ihrer Art gilt. Kurz darauf errichtete er 1816 eine Anlage zur Leuchtgaserzeugung im Amalgamierwerk Halsbrücke, die über mehrere Jahrzehnte in Betrieb blieb. Diese Errungenschaft machte Freiberg zur ersten Stadt mit einer funktionierenden Gasversorgung – vor Berlin und anderen Großstädten. In Göttingen erinnert eine Gedenktafel an der Ratsapotheke an seine Ausbildungszeit und seine wissenschaftlichen Beiträge.
Lampadius war nicht nur Wissenschaftler, sondern auch ein liberal eingestellter und musisch interessierter Intellektueller. In Freiberg gründete er einen ästhetischen Verein und pflegte den Austausch mit bedeutenden Zeitgenossen wie Goethe und Alexander von Humboldt. Er war Mitglied der Freimaurerloge „Zu den drey Bergen“ und verfasste zahlreiche wissenschaftliche Werke, die in Göttingen und Freiberg veröffentlicht wurden. Zu seinen Publikationen zählen unter anderem das „Handbuch der allgemeinen Hüttenkunde“ sowie Schriften zur Atmosphärenlehre und technischen Chemie. Er verstarb 1842 in Freiberg und fand seine letzte Ruhe auf dem Donatsfriedhof.