Solinger Künstlerkolonie „Schwarzes Haus“
Highlights
- Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete Erwin Bowien 1945 in Solingen-Höhscheid die Künstlerkolonie ‚Schwarzes Haus‘ als Zentrum gegenständlicher Landschaftsmalerei.
- Das Ensemble aus zwei Fachwerkhäusern diente Bettina Heinen-Ayech und anderen Künstlern als Atelier – verbunden mit dem historischen Bleibergwerk der Region.
- Die Kolonie prägte mit expressiven Werken die internationale Landschaftsmalerei und steht heute als Museumskonzept unter Denkmalschutz.
Tipps
- Die Nähe zum ehemaligen Bleibergwerk ermöglicht Verbindungen zwischen der künstlerischen Produktion und der industriellen Geschichte des Solinger Raumes im 18. und 19. Jahrhundert.
Eigenschaften
Kulturdenkmal Schwarzes Haus Solingen: Künstlerkolonie entdecken
Die Solinger Künstlerkolonie „Schwarzes Haus“ ist ein bedeutendes historisches Ensemble im Stadtteil Höhscheid, das als lebendiges Zeugnis der klassischen Landschaftsmalerei nach dem Zweiten Weltkrieg gilt. Hier entstand eine einzigartige Künstlergemeinschaft, die sich bewusst gegen die zeitgenössische Abstraktion stellte und stattdessen die Tradition der Pleinairmalerei und der großen Künstlerkolonien des frühen 20. Jahrhunderts aufgriff. Das Zentrum der Kolonie bildete ein Fachwerkhausensemble, bestehend aus dem namensgebenden „Schwarzen Haus“ und dem benachbarten „Roten Haus“, die als Ateliers und Wohnräume der Künstler dienten.
Die Kolonie wurde 1945 von dem Maler Erwin Bowien ins Leben gerufen, der nach seiner Rückkehr aus dem niederländischen Exil in Solingen eine neue künstlerische Heimat fand. Zusammen mit Bettina Heinen-Ayech und Amud Uwe Millies prägten sie die Szene mit ausdrucksstarken, gegenständlichen Werken, die sich durch einen eigenständigen Stil auszeichneten. Besonders Heinen-Ayech erlangte international Anerkennung und wurde in kunsthistorischen Rankings unter den bedeutendsten deutschen Künstlern geführt. Ihre Werke spiegeln einen einzigartigen, vom Zeitgeist unabhängigen Duktus wider, der die Kolonie zu einem besonderen Ort der Kunstgeschichte machte.
Das Fachwerkensemble steht in direkter Verbindung zum historischen Bleibergwerk aus dem 18. Jahrhundert in Höhscheid, das in der Region eine prägende Rolle spielte. Die Gebäude selbst sind Zeugnisse des regionalen Erbes und sollen künftig als Museum Künstlerkolonie zum Schwarzen Haus die künstlerische und industrielle Vergangenheit Solingens würdigen. Durch die Unterstützung von Mäzenen und Sammlern wird geplant, originale Möbel sowie Kunstwerke und Nachlässe der Kolonie auszustellen, darunter auch Objekte aus dem Umfeld des Bleibergwerks.
Die Künstlerkolonie war nicht nur ein Ort der künstlerischen Produktion, sondern auch ein Netzwerk, das sich mit europäischen Traditionen verband. So war Bowien zuvor in der niederländischen Künstlerkolonie von Egmond aan den Hoef tätig, wo er im Exil Werke schuf, die heute in renommierten Sammlungen wie dem Rijksmuseum Amsterdam oder den Königlichen Sammlungen Den Haag zu finden sind. Die Verbindung zu internationalen Kunstkreisen unterstreicht den besonderen Rang der Solinger Kolonie als Teil eines europäischen Netzwerks von Künstlergemeinschaften.
Das „Schwarze Haus“ und das „Rote Haus“ liegen an einer der ältesten Ausfallstraßen Solingens und markieren bis heute einen Ort der künstlerischen Innovation. Obwohl der ursprüngliche Garten der Kolonie derzeit nicht Teil des Projekts ist, bleibt das Ensemble ein bedeutendes Denkmal für die Wiederbelebung der Landschaftsmalerei nach 1945. Durch die geplante Museumsgründung soll die Geschichte der Kolonie sowie die regionale Industriekultur lebendig gehalten werden – ein Vermächtnis, das die Verbindung von Kunst, Handwerk und Geschichte Solingens verkörpert.