Löchriger Stein
Highlights
- Er wurde 1898 von seinem ursprünglichen Standort bei der Wüstung Dankendorf an seinen heutigen Platz versetzt.
- Archäologische Funde in der Umgebung reichen von der Bandkeramik bis ins Mittelalter.
Eigenschaften
Ausflug zum Kulturdenkmal Löchriger Stein in Gerbstedt
Der sogenannte Löchriger Stein, auch Hoyerstein genannt, ist ein markantes Denkmal in der Nähe von Gerbstedt im Landkreis Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt. Dieser aus Braunkohlenquarzit gefertigte Menhir ragt etwa 110 Zentimeter hoch aus dem Boden und weist eine charakteristische Ausbuchtung sowie ein zentral angeordnetes Loch in seiner oberen Hälfte auf. Ursprünglich stand der Stein etwa 100 Meter südlich seines heutigen Standorts, bevor er 1898 an seinen jetzigen Ort verlegt wurde. Bei dieser Maßnahme wurde in unmittelbarer Nähe ein Steinkistengrab entdeckt, was auf eine langjährige kulturelle Nutzung der Region hinweist.
Der Löchrige Stein dient heute als Mahnmal für Graf Hoyer I. von Mansfeld, der in der berühmten Schlacht am Welfesholz fiel. Diese Schlacht, die sich im Jahr 1115 ereignete, war Teil eines größeren Konflikts zwischen kaiserlichen und sächsischen Truppen. Laut einer Sage, die unter anderem von den Brüdern Grimm überliefert wurde, wurde der Stein kurz vor der Schlacht durch ein Gewitter weich, wodurch Graf Hoyer seine Hand hineinstecken konnte. Er schwor, den Sieg über die sächsischen Aufständischen zu erringen, sollte er dies vermögen – ein Schwur, der sich tragischerweise erfüllte, da er im Kampf das Leben verlor.
Der Stein hat nicht nur eine geschichtliche, sondern auch eine volkskundliche Bedeutung. So wurde er einst als sogenannter Nagelstein verehrt, in den bei Gewittern Nägel eingeschlagen wurden – ein Brauchtum, das mit dem Glauben an die durch Gewitter veränderte Beschaffenheit von Steinen verbunden war. Waldtraut Schrickel dokumentierte in den 1950er Jahren noch zahlreiche Nägel, die in den Stein getrieben worden waren; heute sind diese nicht mehr vorhanden.
Archäologische Funde in der Umgebung des Löchrigen Steins belegen eine intensive Besiedlung über Jahrtausende hinweg. Zu den Kulturen, die hier Spuren hinterließen, gehören die Bandkeramik, die Bernburger Kultur, die Walternienburger Kultur sowie die Schnurkeramik. Auch aus der Vollbronzezeit, dem slawischen Frühmittelalter und dem Mittelalter stammen Funde, die die Bedeutung dieser Region unterstreichen. Der Stein selbst ist somit nicht nur ein archäologisches, sondern auch ein kulturhistorisches Zeugnis vergangener Epochen.
Heute befindet sich der Löchrige Stein etwa 1,25 Kilometer westlich von Gerbstedt inmitten eines kleinen Hains, direkt südlich eines Feldwegs. Er ist in einen Sockel eingelassen, der an den gefallenen Grafen Hoyer erinnert. Mit seiner Verbindung von Geschichte, Sage und archäologischem Erbe ist der Stein ein lohnenswertes Ausflugsziel für alle, die sich für die faszinierende Vergangenheit des Mansfelder Landes interessieren.