Neuer Kunstverein Gießen e.V.
Highlights
- Der Neue Kunstverein Gießen e.V. in der Nahrungsberg-Ecke ist Deutschlands kleinster Kunstverein mit nur 11 m² Ausstellungsfläche und feiert 2024 sein 25-jähriges Bestehen.
- Der barrierefreie Verein zeigt aktuelle Kunstprojekte wie ‚Temple of Love‘ (Yevnusha) mit Second-Hand-Textilien oder ‚Otherhood Act IV‘ (Sopo Kashakashvili) zu Sprache und Technik.
- Präsentiert wurden hier bereits Arbeiten internationaler Künstler:innen, u.a. im Rahmen von Einzelausstellungen in München, Berlin, Zürich und Lissabon.
Tipps
- Der barrierefreie Zugang über die Treppenlösung mit Rampen ermöglicht einen ungehinderten Besuch für alle Besucherinnen und Besucher.
- Rollstuhlgerechte Sitzgelegenheiten und ein rollstuhlgerechtes WC stehen im Ausstellungsbereich zur Verfügung, um den Aufenthalt zu erleichtern.
- Die historische Lagerhalle des Kunstvereins verwandelt sich in eine raumgreifende Installation, die den Übergang zwischen Alltagsort und künstlerischem Raum thematisiert.
Eigenschaften
Kunst im Neuer Kunstverein Gießen – Galerie am Nahrungsberg
Der Neue Kunstverein Gießen e.V. an der Ecke Nahrungsberg ist ein lebendiger Ort für zeitgenössische Kunst und experimentelle Projekte, der sich seit seiner Gründung als Plattform für innovative künstlerische Positionen etabliert hat. Mit nur 11 Quadratmetern Ausstellungsfläche gilt er als kleinster Kunstverein Deutschlands und besticht durch seine einzigartige Atmosphäre, die zwischen urbaner Enge und künstlerischer Intensität oszilliert. Der Verein transformiert den historischen Raum – ursprünglich als Lager- und Verkaufsfläche genutzt – in ein dynamisches Diorama, das Besucher*innen in die Welt der ausgestellten Werke eintauchen lässt.
Die Programmvielfalt des Neuen Kunstvereins reicht von Gruppenausstellungen über Einzelpräsentationen internationaler Künstler*innen bis hin zu ortsspezifischen Interventionen. Aktuelle Schwerpunkte liegen auf Themen wie gesellschaftlicher Formbarkeit, politischer Jugendkultur und der Dekonstruktion von Raum durch Materialien wie Second-Hand-Textilien. Die Ausstellung „Temple of Love“ von Yevnusha etwa verbindet ukrainische und indische Künstler*innen in einer raumgreifenden Installation aus Saris und eingewobenen Gedichten, während „Otherhood Act IV: WILLCOME“ von Sopo Kashakashvili die Schnittstelle zwischen Mensch und Technik durch eine schrankenartige Geste erkundet. Beide Werke spiegeln den Verein als Ort, der Kunst als gesellschaftlichen Diskurs begreift.
Der Neue Kunstverein Gießen verbindet lokale und internationale Perspektiven, wie die Residenzen und Ausstellungen von Künstler*innen wie Luca Pisapia zeigen, deren Arbeiten sich mit historischen Orten wie dem „Bunker“ auseinandersetzen. Pisapias Forschung verbindet Stadtforschung mit Fiktion und entlarvt verborgenen Ideologien alltäglicher Räume – ein Ansatz, der auch in der Ausstellung „Atem, Sinn und (Ohne)Tun“ greifbar wird. Daneben fördert der Verein Nachwuchskünstler*innen, etwa durch die Reihe EN GARDE, die Absolvent*innen der Justus-Liebig-Universität Gießen präsentiert, oder durch Performances wie die des Schützenkorps-Europa, das europäische Werte in künstlerische Form bringt.
Barrierefreiheit steht im Fokus des Vereins: Rollstuhlgerechte Sitzgelegenheiten und ein rollstuhlgerechtes WC ermöglichen allen Besucher*innen den Zugang zu den Ausstellungen. Die Räumlichkeiten laden zum Verweilen ein – sei es durch die schwebenden Figuren von Sophie Utikal, die emotionale Verwandlungen thematisieren, oder durch die sanften Materialstudien von Helena Hafemann, die Vergänglichkeit und Fortschritt kontrastieren. Mit einem Programm, das von literarischen Lesungen bis zu performativen Aktionen reicht, bleibt der Neue Kunstverein ein aktiver Knotenpunkt für Kultur und Dialog in Gießen.
Als unabhängiger Verein setzt der Neue Kunstverein auf Kooperationen mit lokalen und überregionalen Partnern, etwa der Gießener Kulturstiftung oder internationalen Institutionen wie der Cité internationale des arts in Paris. Die Ausstellungen sind stets zeitlich begrenzt, doch ihre Wirkung bleibt – als stille Mahnmale, als poetische Rauminstallationen oder als Spiegel gesellschaftlicher Fragestellungen. Wer die Ecke Nahrungsberg betritt, findet nicht nur Kunst, sondern einen Ort, der zum Nachdenken, Fühlen und Mitdenken einlädt.