Denkmal/Gedenkstätte

Stolperstein für Lotte Kahn

Nordanlage, 35392 Gießen

Highlights

  • 1939 flohen Lotte Kahn und ihre Mutter vor den NS-Verfolgungen nach Palästina.
  • Ihre Familie lebte in Gießen; ein Stolperstein erinnert an ihr Schicksal als jüdische Bürgerinnen.

Tipps

  • Der Stolperstein erinnert an die Familie Kahn, deren Mitglieder 1939 eine Auswanderung nach Palästina planten, um den Folgen der nationalsozialistischen Verfolgung zu entgehen.
  • Die Kennkartenfotos aus dem Stadtarchiv Pirmasens zeigen die Familie in typischer Personalausweis-Form, die für die historische Recherche wertvolle Einblicke bietet.

Eigenschaften

Bildung Kulturell Ganzjährig

Stolperstein Lotte Kahn Gießen Kultur-Denkmal

Der Stolperstein für Lotte Kahn in Gießen ist ein bewegendes Mahnmal, das an die Verfolgung jüdischer Bürger:innen während der NS-Zeit erinnert. Stolpersteine, initiiert vom Künstler Gunter Demnig, markieren mit kleinen Messingplatten die letzten frei gewählten Wohnorte der Opfer. Lotte Kahns Stein gehört zu den zahlreichen Gedenkzeichen in der Stadt, die an das Schicksal von Menschen erinnern, die aufgrund rassistischer Verfolgung deportiert, ermordet oder in den Suizid getrieben wurden.

Lotte Kahn war Teil einer jüdischen Familie, die in Gießen lebenswichtige wirtschaftliche und soziale Verbindungen unterhielt. Ihr Vater, Isidor Rosenbaum, hatte sein Vermögen in Wertpapieren, Edelmetallen und Edelsteinen angelegt, um sich vor den heraufziehenden Unbilden zu schützen. Die Familie versuchte 1939, durch Auswanderung nach Palästina zu fliehen – ein Versuch, der für viele jüdische Familien in dieser Zeit typisch war. Doch die nationalsozialistischen Gesetze machten selbst solche Fluchtversuche zunehmend unmöglich. Die Kennkarten, die im Zuge der systematischen Registrierung jüdischer Bürger:innen angefertigt wurden, liefern heute Einblicke in das Leben dieser Familien.

Gießen selbst war in den 1920er-Jahren ein Ort, an dem sich jüdische Unternehmer:innen niederließen und sich wirtschaftlich etablierten. So zog etwa Leo Salomon 1921 aus Köln nach Gießen und wurde Mitinhaber der Mineralölgroßhandlung Sonn und Hertz. Firmen wie diese waren Teil eines lebendigen jüdischen Wirtschaftslebens, das durch die NS-Diktatur brutal zerstört wurde. Die Stolpersteine in der Stadt erinnern nicht nur an Lotte Kahn, sondern auch an andere Betroffene wie ihre Familie – ein stilles Zeugnis für die Zerstörung von Leben und Existenz durch den Holocaust.

Die Stolpersteine sind mehr als bloße Gedenktafeln; sie laden dazu ein, sich mit der lokalen Geschichte auseinanderzusetzen. Sie erinnern daran, dass Verfolgung und Entrechtung auch in scheinbar „normalen“ Städten wie Gießen stattfanden. Durch ihre unauffällige, aber prägnante Präsenz im öffentlichen Raum werden sie zu Orten der Erinnerung, die zum Nachdenken über die Verantwortung für die Vergangenheit und die Gegenwart anregen. Ein Besuch des Stolpersteins für Lotte Kahn ist daher nicht nur ein Akt der Reverenz, sondern auch ein Beitrag zur Bewahrung des historischen Gedächtnisses.

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