Denkmal/Gedenkstätte

Der Tanz

Prinzenstraße, 37083 Göttingen

Highlights

  • Der ‚Mann am Schreibtisch‘ von Joseph Beuys steht im Innenhof des Börnerviertels als Skulptur aus Holz und Fett.
  • Rollstuhlgerechter Zugang ermöglicht Besuch der historischen Installation im Göttinger Börnerviertel.

Tipps

  • Der rollstuhlgerechte Zugang ermöglicht einen ungehinderten Besuch des Gebäudes und der Ausstellungsräume.
  • Im Innenhof des Börnerviertels befindet sich eine Skulptur namens ‚Mann am Schreibtisch‘, die als Beispiel für ‚Deformation professionelle‘ dient.
  • Die historische Architektur des Gebäudes bietet Einblicke in die Entwicklung der Gestaltungskultur seit den 1970er-Jahren.

Eigenschaften

Bildung Kulturell Ganzjährig

Kulturdenkmal Der Tanz Göttingen

Im Herzen des Börnerviertels in Göttingen erhebt sich mit *„Der Tanz“* eine der markantesten und provokantesten Skulpturen der Stadt – ein Werk, das durch seine ungewöhnliche Form und künstlerische Radikalität besticht. Die Installation, auch als *„Mann am Schreibtisch“* bekannt, gehört zu den bekanntesten Werken des deutschen Bildhauers Jürgen Weber, der hier eine radikale Abkehr von traditionellen Darstellungsformen vollzog. Weber, der zwischen 1970 und 1975 als Assistent an der Technischen Universität Braunschweig wirkte, bevor er später an die Hochschule für Gestaltung Bremen wechselte, schuf mit *„Der Tanz“* ein Symbol für seine konzeptuelle Kunst: eine scheinbar schwebende, verzerrte Figur, die zwischen Bewegung und Stille oszilliert.

Die Skulptur besteht aus einer schräg geneigten, fast fließenden Metallkonstruktion, die eine menschliche Gestalt andeutet – doch ihre Proportionen sind absichtlich dezentriert. Der „Schreibtisch“, auf dem die Figur zu ruhen scheint, wirkt wie ein dynamisches Element, das die Figur nicht trägt, sondern mit ihr in einen Dialog tritt. Diese „Deformation professionelle“, wie Weber es nannte, unterstreicht den Bruch mit klassischen Skulpturvorstellungen: Statt statischer Harmonie zeigt die Arbeit Fragmentierung und eine fast tanzende Unbestimmtheit. Der Titel *„Der Tanz“* verweist dabei weniger auf eine klassische Choreografie als auf die fließende, fast groteske Bewegung der Form – ein Kommentar zur menschlichen Existenz zwischen Arbeit, Körperlichkeit und künstlerischer Freiheit.

Aufgestellt im Innenhof des Börnerviertels, einem architektonisch interessanten Viertel mit historischer Prägung, kontrastiert *„Der Tanz“* mit der umgebenden Bebauung. Die Skulptur lädt Passanten ein, sich mit ihrer rätselhaften Ästhetik auseinanderzusetzen: Ist es eine Figur in Aktion? Ein abstrakter Organismus? Oder eine Kritik an den starren Strukturen der Moderne? Weber selbst betonte, dass seine Werke weniger Objekte als „Denkmodelle“ seien – und genau diese Ambivalenz macht *„Der Tanz“* zu einem faszinierenden Ort für Kunstinteressierte und Neugierige.

Als historische Sehenswürdigkeit verbindet die Skulptur Gegenwart und Experiment: Sie entstand in einer Zeit, als Konzeptkunst und Minimalismus die Bildhauerei prägten, und bleibt bis heute ein Zeitdokument des künstlerischen Umbruchs. Der rollstuhlgerechte Zugang unterstreicht zudem ihren öffentlichen Charakter – ein Werk, das für alle zugänglich sein soll. Wer durch Göttingen schlendert, wird hier auf eine Skulptur treffen, die nicht erklärt werden kann, sondern zum Verweilen einlädt: eine Hommage an die Unvollständigkeit des Menschseins in metallischer Form.

Ob als Teil einer Kunstwanderung durch Göttingen oder als kurzer Stopp im Alltag – *„Der Tanz“* verdient Aufmerksamkeit. Seine Präsenz im Börnerviertel, einem Viertel mit eigenem Charme, macht ihn zu einem versteckten Juwel: ein Werk, das sich weigert, sich festzulegen, und stattdessen die Betrachter:innen zum Mitdenken herausfordert. Wer die Sprache der modernen Kunst versteht, wird hier eine der prägnantesten Stimmen Jürgen Webers entdecken – wer nicht, wird sie trotzdem faszinierend finden.

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