Denkmal/Gedenkstätte

Wiechertsche Erdbebenwarte

Herzberger Landstraße 180-182, 37075 Göttingen

Highlights

  • Die Wiechertsche Erdbebenwarte in Göttingen ist die älteste erdbebenmessende Einrichtung weltweit, gegründet 1902 unter Emil Wiechert.
  • Seit über 100 Jahren zeichnen ihre Seismographen ununterbrochen Erdbeben auf, darunter das San Francisco-Beben von 1906.
  • Heute wird die Warte vom gleichnamigen Verein betrieben und ist für Besucher zugänglich.

Tipps

  • Parkplatz ist auf dem Gelände vorhanden.
  • Eintritt ist kostenlos, Spenden sind willkommen.
  • Führungen finden jeden ersten Sonntag im Monat um 14 Uhr statt.

Eigenschaften

Bildung Kulturell Ganzjährig

Über Wiechertsche Erdbebenwarte

Die Wiechert’sche Erdbebenwarte in Göttingen ist ein bedeutendes Kulturdenkmal und eine lebendige Zeugnissstätte der Geophysik. Als älteste erdbebenwissenschaftliche Station weltweit, die mit funktionsfähigen Seismographen ausgestattet wurde, ermöglicht sie seit über einem Jahrhundert nahezu ununterbrochene Aufzeichnungen seismischer Ereignisse. Errichtet wurde die Anlage im frühen 20. Jahrhundert unter der Leitung von Emil Wiechert, nachdem an der Universität Göttingen das weltweit erste Institut für Geophysik gegründet worden war. Noch heute sind die originalen Messgeräte in Betrieb und dokumentieren präzise jede Erdbewegung – einzigartig in ihrer Kontinuität und historischen Relevanz.

Ein zentrales Element der Erdbebenwarte ist der sogenannte Fallturm der Mintrop-Kugel, benannt nach Ludger Mintrop, einem Wegbereiter der modernen Geophysik und Schüler von Emil Wiechert. Mit diesem Gerät wurden ab 1908 künstliche Erschütterungen erzeugt, um den Untergrund dreidimensional zu vermessen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse legten den Grundstein für moderne seismische Erkundungsmethoden. Neben dieser bahnbrechenden Forschung präsentiert die Erdbebenwarte auch eindrucksvolle historische Gebäude, darunter das Alte und das Neue Erdbebenhaus sowie die Astronomische Hütte und die Samoa-Hütte, die alle eng mit der Entwicklung der Geowissenschaften verbunden sind.

Nachdem die Universität Göttingen den Betrieb der Warte im Jahr 2005 einstellte, gründete der gemeinnützige Verein „Wiechert’sche Erdbebenwarte Göttingen e.V.“, um dieses außergewöhnliche Erbe zu bewahren und weiterzuführen. Durch ehrenamtliches Engagement gelang es, die historischen Instrumente zu erhalten und die Öffentlichkeit wieder für die faszinierende Welt der Seismologie zu begeistern. Regelmäßige Führungen, darunter monatliche öffentliche Termine sowie individuelle Besuche nach Anmeldung, bieten Einblicke in die Wissenschaftsgeschichte und aktuelle Erdbebendaten. Besucher aller Altersgruppen erleben so hautnah, wie präzise und nach wie vor relevant die frühe Technik dieser einzigartigen Einrichtung ist.

Die Erdbebenwarte zählt heute zu den beliebtesten Ausflugszielen in der Region und genießt auch international große Aufmerksamkeit. Ihre Bedeutung zeigt sich nicht nur in der technischen Innovation, sondern auch in der Verbindung von Wissenschaft, Geschichte und Bildung. Der Erhalt dieses Ortes lebendiger Forschungstradition ist bis heute nur durch die Unterstützung des Vereins, Spenden und engagierter Freiwilliger möglich. Die Wiechert’sche Erdbebenwarte ist damit mehr als ein Denkmal – sie ist ein Fenster in die Vergangenheit und Gegenwart der Erdbebenerforschung.

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