Gorleben-Treck 1979
Eigenschaften
Ausflug zum Gorleben-Treck 1979 in Gorleben
Der Gorleben-Treck 1979 zählt zu den bedeutendsten Protestaktionen der Anti-Atom-Bewegung in Deutschland. Die Demonstration begann im Wendland und endete mit einer großen Kundgebung in Hannover. Ausgelöst wurde der Treck durch Pläne der niedersächsischen Landesregierung, im ländlichen Gebiet des Wendlands eine Wiederaufarbeitungsanlage sowie ein Atommülllager zu errichten. Mit dem Motto „Albrecht wir kommen!“ richtete sich der Protest symbolisch gegen den damaligen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht. Der Treck verlief über mehrere Tage und wuchs von anfänglich rund 350 Traktoren und hunderten Fahrzeugen auf über 500 Traktoren sowie tausende Fußgänger an.
Ein besonderer Impuls kam durch den Reaktorunfall im Kernkraftwerk Three Mile Island in den USA, der zeitgleich während des Trecks stattfand und viele weitere Menschen zu der Demonstration hinzuzog. Die Abschlusskundgebung am Ende des Trecks zog Schätzungen zufolge zwischen 50.000 und 100.000 Teilnehmer an, was damals die größte Anti-Atom-Demonstration in Deutschland darstellte. Während der Veranstaltung wurde auf dem Klagesmarkt in Hannover ein großer Findling aus dem Wendland als Mahnmal aufgestellt. Dieser Stein, später als „Gorlebenstein“ bekannt, wurde später ersetzt, nachdem das Original entwendet worden war.
Die Proteste hatten politische Auswirkungen: Nur wenige Wochen danach erklärte der niedersächsische Ministerpräsident, dass die geplante Wiederaufbereitungsanlage im Wendland nicht mehr durchsetzbar sei. Der Gorleben-Treck wurde somit als großer Erfolg der Bürgerinitiativen gewertet. Selbst das Bundesverfassungsgericht nannte die Demonstration später als positives Beispiel für friedliche Großproteste. Jahrzehnte später fand die Aktionsform eine neue Aktualität, als erneut ein Treck aus dem Wendland startete, um gegen aktuelle Pläne im Zusammenhang mit der Atomenergie zu protestieren.
Heute erinnert der Gorleben-Treck nicht nur durch Mahnmale wie den Gorlebenstein, sondern auch durch Infotafeln vor Ort an die Geschichte des Widerstands. Die ehemalige Protestroute führt direkt durch das Dorf Gorleben im Landkreis Lüchow-Dannenberg, das heute als Standort eines Zwischenlagers für radioaktive Abfälle von der BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung betrieben wird. Besucher*innen können sich vor Ort über die Ereignisse von 1979 informieren und erhalten Einblicke in die damalige wie auch heutige Debatte um die sichere Entsorgung radioaktiver Stoffe. Der Ort ist damit ein Denkmal für die friedliche Auseinandersetzung mit der Atompolitik und ein wichtiger kultureller Anlaufpunkt für Interessierte.