Bauhaussiedlung Törten
Highlights
- Die Bauhaussiedlung Törten in Dessau entstand 1926-1928 als Prototyp für günstigen Massenwohnungsbau.
- Walter Gropius plante die Siedlung mit industriellen Fertigungsmethoden und standardisierten Bauteilen.
- Heute sind Teile der Siedlung als Denkmal geschützt, einige Häuser wurden originalgetreu restauriert.
Tipps
- Die Bauhaussiedlung Törten in Dessau ist ein beeindruckendes Beispiel für sozialen Wohnungsbau der 1920er Jahre und steht unter Denkmalschutz.
- Bei einem Besuch lohnt sich eine geführte Tour, um die Geschichte und Architektur der Siedlung sowie die damaligen Ideen zur Serienproduktion von Häusern kennenzulernen.
- Die einstige Selbstversorgung der Bewohner durch große Gärten und die typischen Bauhaus-Prinzipien wie klare Formen und funktionale Räume sind heute noch erlebbar.
Eigenschaften
Über Bauhaussiedlung Törten
Die Bauhaussiedlung Törten in Dessau ist eine bedeutende architektonische Entwicklung des frühen 20. Jahrhunderts und zählt heute zu den Kulturdenkmälern der Stadt. Errichtet im Rahmen des Reichsheimstättengesetzes, entstand die Siedlung als Antwort auf den dringenden Wohnraummangel der Weimarer Republik. Die Stadt Dessau beauftragte das Bauhaus mit der Planung einer preiswerten Massenbehausung, die als Modell für zukünftige Bauten dienen sollte. Walter Gropius und sein Team verfolgten dabei das Ziel, durch industrielle Fertigung und rationelle Bauweise kostengünstige, dennoch zeitgemäße Wohnungen zu schaffen.
Die Siedlung wurde in mehreren Bauphasen realisiert und umfasste ursprünglich 314 Reihenhäuser mit Wohnflächen zwischen 57 und 75 Quadratmetern. Jedes Haus verfügte über einen eigenen Garten von 350 bis 400 Quadratmetern, der den Bewohner*innen eine gewisse Selbstversorgung ermöglichen sollte. Die Gebäude selbst basierten auf einfachen, funktionalen Grundrissen und zeichneten sich durch klare Formen, horizontale Fensterbänder und eine schlichte Farbgebung aus. Die Konstruktion orientierte sich an modernen Bautechniken: So kamen Fertigteile aus Beton zum Einsatz, und die Bauweise erfolgte teilweise nach dem Fließbandprinzip. Drei unterschiedliche Haustypen – SieTö I, II und IV – spiegeln die Entwicklung der bauhausinternen Wohnungskonzepte wider.
Trotz der innovativen Ansätze stellte sich die ursprüngliche Vision von erschwinglichem Wohnen nicht unmittelbar um. Die geplante Ausstattung mit Bauhaus-Möbeln erwies sich als zu teuer. Erst unter der Leitung von Hannes Meyer wurden kostengünstigere Lösungen umgesetzt. Auch später führten verschiedene Modernisierungen zu Veränderungen am ursprünglichen Erscheinungsbild. So wurden unter anderem zusätzliche Außenwände hinzugefügt, Fenster ersetzt und technische Anlagen erneuert. Dennoch wurde der historische Charakter der Siedlung erkannt: 1977 erfolgte die Eintragung als Denkmal, und ab 1994 regelte eine städtebauliche Satzung den Erhalt der ursprünglichen Gestaltungsidee.
Ein Teil der Häuser wurde in den 1990er Jahren restauriert und entspricht heute wieder dem ursprünglichen Design. Zu den erhaltenen Gebäuden zählen das Anton-Haus sowie das Haus Mittelring 38, das heute vom Moses Mendelssohn Verein genutzt wird. Beide sind im Rahmen von Führungen zugänglich. Im ehemaligen Konsum-Gebäude von Walter Gropius wird zudem eine Dauerausstellung zur Geschichte, zum Konzept und zu den Bewohner*innen der Siedlung gezeigt. Die Ausstellung wird von der Freundeskreis Bauhaus Dessau e. V. unterstützt.