Denkmal/Gedenkstätte

Dokumentationszentrum Walpersberg - REIMAHG

Dorfstrasse 7, 07768 Großeutersdorf

Highlights

  • Der Walpersberg bei Großeutersdorf ist ein 311 m hoher Berg mit geschichtsträchtigem Stollensystem.
  • 1944 begann hier der Bau der REIMAHG, einer unterirdischen Nazi-Fabrik für die Me 262-Produktion.
  • Heute beherbergt das Dokumentationszentrum Erinnerungsstätten und Führungen zur Zwangsarbeit und Geschichte.

Tipps

  • Die ehemaligen Stollensysteme sind sehenswert und bieten Einblicke in die unterirdische Nutzung des Berges für Industrie, Lagerung und Produktion.
  • Ein Besuch lohnt sich besonders für Interessierte an Militärgeschichte, Geologie und regionalen Brauchtum, da der Berg vielschichtiges kulturelles Erbe bietet.

Eigenschaften

Bildung Kulturell Ganzjährig

Über Dokumentationszentrum Walpersberg - REIMAHG

Das Dokumentationszentrum Walpersberg – REIMAHG in Großeutersdorf ist ein bedeutendes kulturhistorisches Denkmal in Thüringen. Es erinnert an die vielschichtige Geschichte des nahegelegenen Walpersbergs, der sich südlich von Großeutersdorf am Westufer der Saale erhebt. Über Jahrhunderte hinweg prägte der Berg das Leben der Region – zunächst als Kultstätte und später durch den intensiven Sandabbau. Im Zuge des 20. Jahrhunderts wurde der Berg zum Schauplatz nationalsozialistischer Rüstungsprojekte und späterer militärischer Nutzung durch die NVA der DDR.

Im Mittelpunkt der Dauerausstellung des Dokumentationszentrums steht die Geschichte des NS-Rüstungswerks REIMAHG, das unter dem Decknamen „Lachs“ firmierte. Ziel des Bauvorhabens war es, eine bombensichere Untertagefabrik zur Serienproduktion des Düsenjägers Messerschmitt Me 262 zu errichten. Dafür wurden Zehntausende von Zwangs- und Fremdarbeitern sowie deutschen Arbeitsverpflichteten eingesetzt. Das Stollensystem wurde auf rund 30 Kilometer erweitert, obertägige Bunker errichtet und sogar eine Startbahn auf dem Plateau gebaut. Diese dunkle Zeit der Geschichte wird im Zentrum eindrücklich dokumentiert.

Nach 1945 geriet der Komplex zunächst außer Betrieb, ehe er in den 1960er Jahren kurz als Gemüselager genutzt wurde. Ab Anfang der 1970er Jahre diente der Berg als Komplexlager 22 der Nationalen Volksarmee der DDR. Bis 1990 wurden hier Waffen, Munition und militärisches Zubehör für den möglichen Ernstfall gelagert. Auch die Bundeswehr nutzte das Gelände bis in die Mitte der 1990er Jahre, gab es dann jedoch aufgrund hoher Betriebskosten auf. Der Stollen wurde verschlossen und für Besucher unzugänglich gemacht.

Seitdem hat der „Geschichts- und Forschungsverein Walpersberg e.V.“ das ehemalige Militärgelände und das zugehörige Dokumentationszentrum in Großeutersdorf übernommen. Das Zentrum wird ehrenamtlich betrieben und ist nach Vereinbarung oder im Rahmen von Führungen zu besuchen. Neben der Ausstellung informiert es über die geologischen Besonderheiten des Berges, seine Nutzung im Ersten Weltkrieg und seine Rolle im Kalten Krieg. Jährlich finden am Wochenende um den 8. Mai herum Gedenkfeiern statt, zu denen ehemalige Zwangsarbeiter aus dem Ausland eingeladen sind.

Das Dokumentationszentrum ist nicht nur ein Ort der Erinnerung, sondern auch ein kultureller Anlaufpunkt für alle, die sich für die Geschichte des Walpersbergs und die Schicksale der Menschen interessieren, die hier leiden mussten. Es trägt maßgeblich dazu bei, die Erinnerung an Zwangsarbeit, Rüstung und militärische Geheimhaltung lebendig zu erhalten und zukünftigen Generationen nahezubringen.

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