Kath. Kirche St. Peter und Paul
Highlights
- Die Katholische Kirche St. Peter und Paul in Ober-Flörsheim stammt aus dem 17. Jahrhundert und vereint romanische Baureste mit einem spätgotischen Chor.
- 1913 erhielt die Kirche eine bemalte Bretterdecke mit Rankenmotiven, während 1930 gotische Chorfenster von Prof. Seekatz restauriert wurden.
Tipps
- Der barocke Seitenaltar mit der Madonnenfigur zeigt frühbarocke Ädikula-Formen und stammt ursprünglich vermutlich aus einer anderen Kirche.
- Im Kreuzgewölbe des spätgotischen Hochchors sind die Wappen zweier Stifter in die Steinmetzarbeit eingelassen.
- Die 1913 eingebaute Bretterdecke mit Rankenmalerei ersetzt eine ältere Flachdecke und prägt den Innenraum optisch deutlich.
Eigenschaften
Kultur & Sakral: St. Peter und Paul Ober-Flörsheim
Die Katholische Kirche St. Peter und Paul in Ober-Flörsheim ist ein bedeutendes sakrales Bauwerk mit einer bewegten Geschichte, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. Ihr Ursprung liegt in der Wiederzulassung des katholischen Gottesdienstes im pfälzischen Raum nach 1685, als der Ort nach jahrhundertelanger Unterbrechung wieder eine eigene Kirche erhielt. Ursprünglich war sie mit dem Rathaus von Flomborn verbunden, das 1765 als spätbarocker Putzbau mit Fachwerkobergeschoss errichtet wurde. Die Kapelle im Erdgeschoss diente den Katholiken als Gotteshaus – doch im Zuge von Umbauten in den 1960er Jahren ging die originale barocke Ausstattung verloren, darunter vermutlich prächtige Schnitzereien und Altäre.
Der heutige Kirchenbau vereint Spuren verschiedener Epochen: Im Mauerwerk lassen sich romanische Baureste erkennen, während der Chor einen beeindruckenden spätgotischen Charakter trägt. Besonders auffällig ist das Kreuzgewölbe des Hochchors, das mit den Wappen zweier Patrone – Peter und Paul – verziert ist. Das Kreuz stammt aus dem 19. Jahrhundert, während die abgebeizten Figuren von Johannes dem Täufer und der Muttergottes heute eine Kreuzigungsgruppe bilden, ursprünglich jedoch möglicherweise an anderer Stelle standen. Ein herausragendes Kunstwerk ist das große Chorraum-Gemälde der Seekatz-Schule aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, das einst Teil eines anderen Hochaltars war und nun als zentrales Bildnis der Kreuzigung dient.
Die Innenausstattung zeigt weitere Zeugnisse vergangener Zeiten: Ein frühbarocker Seitenaltar in Ädikulaform mit einer Madonnenfigur stammt vermutlich aus einer anderen Kirche und wurde hier neu platziert. Die Decke wurde 1913 durch eine zweifach gebogene Bretterkonstruktion ersetzt, die mit bunter Rankenmalerei verziert wurde. Spätere Anpassungen wie die gotischen Chorfenster, die 1930 von einem unbekannten Künstler gestaltet wurden, unterstreichen die stetige Weiterentwicklung des Gotteshauses. Trotz der Veränderungen bleibt die Kirche ein Ort der Andacht, der historische Schichten und künstlerische Details in sich trägt – ein Zeugnis des Glaubens und des kulturellen Erbes Ober-Flörsheims.
Besonders erwähnenswert ist die Orgel, die von der Orgelbauwerkstatt Schlaad-Engers aus Waldlaubersheim stammt. Die Werkstatt, die im 19. Jahrhundert als Ableger der berühmten Stumm’schen Manufaktur galt, schuf einfache, aber funktionale Instrumente mit romanischen und klassizistischen Formen. Die Orgel verkörpert damit nicht nur musikalische Tradition, sondern auch den Wandel der Liturgie und des kirchlichen Lebens im ländlichen Raum.
Mit einem Google-Bewertungsdurchschnitt von 4,4 Sternen ist die Kirche St. Peter und Paul ein geschätzter Ort der Begegnung und des kulturellen Erbes. Sie lädt Besucher ein, die Spuren der Vergangenheit zu erkunden – von den romanischen Fundamenten über die spätgotische Pracht des Chors bis hin zu den barocken und neugotischen Elementen der Ausstattung. Ein Besuch lohnt sich für alle, die sich für sakrale Architektur und die Geschichte des katholischen Glaubens in der Pfalz interessieren.