Steinerne Jungfrau
Tipps
- Der Menhir ist über den Jungfrauenweg vom nördlichen Ortsrand von Dölau aus erreichbar.
- In der Nähe befindet sich die Kleingartenanlage Steinerne Jungfrau sowie weitere archäologische Fundorte.
- Der Stein besteht aus grauweißem Braunkohlenquarzit mit einem deutlich sichtbaren Riss und unregelmäßiger Oberfläche.
Eigenschaften
Über Steinerne Jungfrau
Die Steinerne Jungfrau ist eine der markantesten archäologischen Sehenswürdigkeiten in der Stadt Halle im Bundesland Sachsen-Anhalt. Als vorgeschichtlicher Menhir zählt sie zu den bedeutendsten Kulturdenkmälern der Region und ist mit einer Höhe von etwa 5,5 Metern nach dem Gollenstein im Saarland der zweitgrößte Menhir Mitteleuropas. Der aus grauweißem Braunkohlenquarzit gefertigte Stein steht am nördlichen Ortsrand des Haller Stadtteils Dölau und ist über den sogenannten Jungfrauenweg erreichbar. Aufgrund seiner imposanten Größe und seiner historischen sowie kulturellen Bedeutung ist der Fundort im örtlichen Denkmalverzeichnis als Bodendenkmal erfasst.
Der Standort des Steins auf einem leicht abfallenden Hang im Südosten einer Geländeerhebung unterstreicht seine markante Präsenz in der Landschaft. Die unmittelbare Nähe zur Kleingartenanlage „Steinerne Jungfrau“ zeigt, dass der Menhir auch heute noch ein kultureller Bezugspunkt für die Region ist. In der näheren Umgebung finden sich zudem zahlreiche weitere archäologische Fundstellen, darunter Grabhügel, eine jungsteinzeitliche Siedlung und die sogenannte Steinkiste am Waldkater in der Dölauer Heide. Auch der Menhir von Morl sowie weitere Grabhügel in der Umgebung zeugen von einer langen Tradition menschlicher Besiedlung und kultischer Praxis in dieser Region.
Der Menhir selbst ist durch natürliche Verwitterung und Bruchstücke im Laufe der Jahrhunderte etwas verkürzt worden. Ursprünglich soll er deutlich höher gewesen sein, was durch historische Quellen und die Auffindung von Bruchstücken belegt wird. Seine stark zerklüftete Oberfläche und ein deutlich sichtbarer Riss prägen das Erscheinungsbild des Steins. Der etwa C-förmige Querschnitt sowie die Abmessungen machen ihn zu einem außergewöhnlichen Zeugnis der Bronze- und Eisenzeit. Funde in der Umgebung stammen aus verschiedenen Epochen, darunter Schnurkeramik, Funde aus der Eisenzeit sowie aus dem slawischen Frühmittelalter und dem Mittelalter, was die langjährige Nutzung der Region unterstreicht.
Im Laufe der Geschichte wurde der Menhir in das örtliche Brauchtum und die Volkskunde integriert. Im Mittelalter diente er als sogenannter Nagelstein, in den Gläubige Nägel einschlugen – eine Praxis, deren Spuren bis heute sichtbar sind. Eine weitere Überlieferung besagt, dass die Pfarrer benachbarter Gemeinden jährlich Messen am Stein abhielten, was seine zentrale Rolle im religiösen wie im alltäglichen Leben der Bevölkerung zeigt. Auch in der mündlichen Überlieferung spielt die Steinerne Jungfrau eine Rolle: Eine Sage erzählt von einer (Riesen-)Jungfrau, die während eines Unwetters auf ihrem Heimweg ein Brot opferte, um trocken über Schlamm und Pfützen zu gelangen – ein Akt, der ihre Verwandlung in Stein zur Folge hatte.