Deserteurdenkmal
Highlights
- Das Deserteurdenkmal in Hamburg ehrt 227 namentlich bekannte Opfer der NS-Militärjustiz.
- Es wurde 2015 zwischen zwei historischen Kriegsmahnmälern am Dammtordamm eingeweiht.
- Das Denkmal besteht aus einem dreieckigen, filigranen Bauwerk mit bronzenen Gittern aus Schriftzügen.
Tipps
- Das Deserteurdenkmal am Dammtordamm thematisiert die Opfer der NS-Militärjustiz und lädt zur Auseinandersetzung mit Krieg und Gewalt ein.
- Der Gedenkort besteht aus einem dreieckigen, filigranen Bauwerk mit bronzenen Gitterschriften und verweist auf zentrale Orte des Widerstands in Hamburg.
- In unmittelbarer Nähe befinden sich weitere Kriegsdenkmäler, darunter das Infanterie-Regiments-Denkmal und das Gegendenkmal von Hrdlicka.
Eigenschaften
Über Deserteurdenkmal
Das Deserteurdenkmal in Hamburg erinnert an die Opfer der NS-Militärjustiz, insbesondere an Deserteure, die während des Zweiten Weltkriegs hingerichtet wurden. Es befindet sich am Dammtordamm und wurde als Gedenkort konzipiert, der bestehende Kriegsdenkmäler in der Umgebung thematisch ergänzt und kommentiert. In unmittelbarer Nähe befinden sich das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Hamburgischen Infanterie-Regiments Nr. 76 von 1936 sowie das unvollendete Gegendenkmal von 1983–1985. Der Gedenkort würdigt namentlich 227 bekannte Opfer der Wehrmachtsjustiz in Hamburg.
Der Entwurf des Denkmals entstand im Rahmen eines von der Kulturbehörde ausgelobten Wettbewerbs, an dem 14 Künstler teilnahmen. Den Zuschlag erhielt 2014 der Bildhauer Volker Lang. Das dreieckige, ebenerdige Konstrukt besteht aus bronzenen, lichtdurchlässigen Gittern, die aus Texten gebildet werden, sowie einer geschlossenen Betonwand. Die Gitter enthalten Zitate des Dichters Helmut Heißenbüttel aus dem Jahr 1944. Im Inneren des Denkmals sind historische Informationen zu den Deserteuren in Deutsch und Englisch angebracht. Über Knopfdruck können Namen, Hinrichtungsdaten und -orte der Opfer akustisch abgerufen werden. Unterhalb des Denkmals verläuft ein U-Bahn-Tunnel.
Die Motivation zur Desertion während der NS-Zeit war neben dem Wunsch, dem eigenen Tod zu entgehen, oft der Versuch, Unrechtstaten des Regimes zu vermeiden. Die Hinrichtungen erfolgten unter anderem durch Enthaupten oder Erschießen, etwa im ehemaligen Lazarett Hamburg-Höltigbaum. Die Opfer wurden meist ohne besondere Kennzeichnung auf dem Ohlsdorfer Friedhof begraben. Ein überlebender Deserteur berichtete bei der Einweihung des Denkmals, er sei durch Versetzung in ein Strafbataillon der Hinrichtung entkommen. Die Hinterbliebenen der Erschossenen erhielten weder Entschädigung noch Rentenzahlungen. Erst in späteren Jahren erfolgte eine gesellschaftliche Rehabilitation.
Das Denkmal wurde 2015 feierlich eingeweiht und löste kontroverse Reaktionen aus. Während einige Besucher es als sinnvolle Ergänzung zur Auseinandersetzung mit der Geschichte sehen, kritisieren andere die Symbolik oder die Darstellung. Einige Gäste betonen, dass die Ergänzung durch historische Aufklärung gelungen sei, ohne das Denkmal einfach zu entfernen. Andere sehen in der Anlage eine martialische Erinnerungsstätte, die auch heute noch zum Nachdenken über Krieg und Gewalt anhält. Hin und wieder wird das Denkmal auch Gegenstand von Vandalismus.