Mergelgrube
Highlights
- Die Mergelgrube bei Hannover ist ein seit 2016 ausgewiesenes Naturschutzgebiet im Stadtteil Misburg.
- Die über 100 Jahre alte, 30 bis 40 Meter tiefe Grube beherbergt gefährdete Pflanzenarten und kalkreiche Sümpfe.
- Das Gelände wurde für Besucher erschlossen, bleibt aber durch Pumpen vor Wasseransammlung geschützt.
Tipps
- Das Gelände ist mit Wegen, Treppen und einer Aussichtskanzel erschlossen und lädt zur Erkundung ein.
- Durch das Abpumpen von Wasser bleibt der Grubenboden feucht und fördert seltene Pflanzenarten.
- Küstenpflanzen gedeihen hier aufgrund des erhöhten Salzgehalts im Mergel.
Eigenschaften
Über Mergelgrube
Die Mergelgrube ist ein Naturschutzgebiet in der Stadt Hannover, Niedersachsen, und zählt seit 2016 offiziell zu den geschützten Flächen nach dem Naturschutzrecht. Obwohl der Name vermuten lässt, dass es sich um eine historische Abbaufläche handelt, liegt das Gelände heute mitten in der urbanen Umgebung des Stadtteils Misburg. Es entstand durch die mehr als 100 Jahre währende Gewinnung von Mergel, einem kalkhaltigen Sedimentgestein, durch die Hannoversche Portland-Cementfabrik. Die eigentliche Grube, die bis zu 40 Meter tief ist, wurde vor etwa 50 Jahren stillgelegt und hat sich seitdem zu einem besonderen ökologischen Lebensraum entwickelt.
Das Areal ist heute Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 und wurde speziell nach der FFH-Richtlinie (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) ausgewiesen. Aufgrund seiner besonderen ökologischen Bedeutung wurde es als „Mergelgrube bei Hannover (HPC I)“ unter Naturschutz gestellt. Die ehemalige Abbaufläche ist heute geprägt von Flachgewässern, kalkreichen Sümpfen und offenen Magerrasen, die eine Vielzahl seltener und gefährdeter Arten beherbergen. Unter den rund 45 nachgewiesenen Pflanzenarten befinden sich auch zwei Arten, die seit langem in Niedersachsen als verschollen galten. Hinzu kommen küstenähnliche Lebensräume, die auf den hohen Salzgehalt des Mergels zurückzuführen sind.
Die natürliche Entwicklung des Geländes wurde durch gezielte Maßnahmen gefördert. So wurden aufgeforstete Pappelbestände entfernt und das Gelände durch Wege, Treppen und eine Aussichtskanzel für Besucher erschlossen. Um die natürliche Wassersammlung im Grubenboden zu erhalten, wird das Einströmen von Grundwasser kontinuierlich durch eine Pumpe reguliert. Diese Maßnahme verhindert ein vollständiges Aufschwemmen der Grube und erhält gleichzeitig die Bedingungen für die typische Flora und Fauna der ehemaligen Seckbruch-Landschaft östlich von Hannover. Die Erhaltung dieser Lebensräume erfordert dauerhafte Pflege, darunter das Offenhalten von Wasserflächen, das Verhindern von Röhrichtausbreitung sowie gezielte Bodenbewegungen zur Vermeidung von Nährstoffanreicherung.
Unmittelbar nördlich des Stichkanals Misburg befindet sich zudem die Mergelgrube HPC II, die ebenfalls von der Portland-Cementfabrik genutzt wurde. Diese Grube ist heute als Geotop geschützt und wird schrittweise mit Erdaushub verfüllt. Zukünftig soll sie als Badesee genutzt werden. Im Gegensatz dazu steht die HPC I weiterhin unter Naturschutz und dient als wertvolles Biotop mitten in der Stadt. Die Fläche zeigt, wie stillgelegte Industrielandschaften durch gezielten Naturschutz zu bedeutsamen ökologischen Räumen entwickelt werden können.
Die Mergelgrube vereint somit Naturschutz und Naherholung in unmittelbarer Nähe zum Stadtzentrum von Hannover. Sie ist ein Beispiel für die Verknüpfung von geologischer Geschichte, ökologischem Wert und städtischer Grünraumplanung. Die Vielfalt an Lebensräumen und seltenen Arten macht das Gebiet zu einem wichtigen Bestandteil des städtischen Naturraums und unterstreicht die Bedeutung von Flächen innerhalb urbaner Gebiete für den Schutz gefährdeter Arten und Lebensgemeinschaften.