Denkmal/Gedenkstätte

Ehemaliger Hochofen der Henrichshütte

Werksstraße 31-33, 45525 Hattingen

Highlights

  • Der 55 Meter hohe Hochofen der Henrichshütte ist der älteste im Ruhrgebiet und wurde 1854 in Betrieb genommen.
  • Auf dem Gelände entstanden während des Ersten und Zweiten Weltkriegs Panzerbleche, Granaten und Teile für die Weltraumindustrie.
  • 1987 stillgelegt, zeigt das Gelände heute Relikte der Hüttenzeit und ein Industriemuseum mit digitalem Modell der Produktion.

Tipps

  • Im historischen Gebläsehaus werden originale Gasmaschinen ausgestellt, die die technische Leistung alter Hüttenwerke veranschaulichen und deren Funktionsprinzipien erklären.
  • Ein digitales Modell ermöglicht interaktive Einblicke in die Produktionsprozesse der Henrichshütte und zeigt die Verbindung von Erzverarbeitung zu Stahlherstellung auf.

Eigenschaften

Bildung Kulturell Ganzjährig

Ehemaliger Hochofen Henrichshütte Hattingen – Industriedenkmal

Der ehemalige Hochofen der Henrichshütte in Hattingen ist ein beeindruckendes Relikt der industriellen Geschichte des Ruhrgebiets und ein zentrales Denkmal der regionalen Eisen- und Stahlproduktion. Mit einer Höhe von 55 Metern und einer Betriebszeit von über achtzig Jahren verkörpert er die Pionierzeit der Hüttenindustrie im 19. Jahrhundert. Als einer der ältesten Hochofenanlagen des Reviers steht er heute als Symbol für technologischen Fortschritt und wirtschaftliche Blütezeit – doch auch für die tiefgreifenden Veränderungen, die die Region im 20. Jahrhundert prägten.

Das Gelände der Henrichshütte war über ein Jahrhundert lang ein bedeutender Produktionsstandort, an dem aus Erz, Koks und Kalk flüssiges Eisen und später Stahl hergestellt wurde. Hier entstanden nicht nur Schienen und Radsätze für den Eisenbahnbau, sondern auch komplexe Industriegüter wie Turbinenwellen, Panzerbleche oder Komponenten für die Raumfahrt. Besonders während der Weltkriege wurde das Werk zur „Waffenschmiede“ des Deutschen Reichs, lieferte es doch Geschützrohre und andere militärische Ausrüstung. Selbst nach dem Zweiten Weltkrieg blieb die Henrichshütte ein wichtiger Akteur in der deutschen Stahlindustrie – bis zur Stilllegung 1987.

Heute lädt das Gelände zur Entdeckung der Industrienatur ein: Gewaltige Gasmaschinen im historischen Gebläsehaus, die einst die Hochofenprozesse versorgten, zeugen von der technischen Meisterleistung vergangener Zeiten. Das Industriemuseum auf dem Gelände erzählt die Geschichte der Henrichshütte von ihrer Gründung bis zur Gegenwart – von der Gründung einer Eisengießerei im 19. Jahrhundert über wirtschaftliche Krisen bis hin zum Strukturwandel der Region. Ein digitales Modell und interaktive Ausstellungen machen die Vergangenheit erlebbar, während ein Zeitstrahl die Entwicklung von Innovation bis hin zu Nachhaltigkeit aufzeigt.

Besonders berührend sind die persönlichen Geschichten, die sich in den Exponaten widerspiegeln: Werkzeuge aus der Ausbildungszeit, Erinnerungsstücke von Mitarbeitenden oder sogar Fundstücke vom Dachboden werden in einer Vitrine ausgestellt. So wird die Henrichshütte nicht nur zu einem Ort der Technikgeschichte, sondern auch zu einem Archiv lebendiger Erinnerungen – ein Ort, an dem die Menschen hinter der Industrie sichtbar werden. Die Kombination aus industriellem Erbe, Natur und kultureller Auseinandersetzung macht den ehemaligen Hochofen zu einem einzigartigen Ausflugsziel für Geschichtsinteressierte und Neugierige.

Wer sich auf das Gelände begibt, findet nicht nur historische Bauten, sondern auch eine einzigartige Industrienatur, die sich zwischen den Relikten der Hüttenzeit und der umgebenden Landschaft entfaltet. Die Henrichshütte steht damit für den Wandel einer Region – von der Hochphase der Stahlproduktion hin zu einem Ort der Reflexion über Industriekultur und Nachhaltigkeit. Ein Besuch hier ist eine Reise durch die Zeit, die sowohl technisches Know-how als auch menschliche Schicksale lebendig werden lässt.

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